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FAQ zu Trich

Was ist Trichotillomanie?

  1. Wiederholtes Ausreißen des eigenen Haares, was zu deutlichem Haarausfall führt.
  2. Ein zunehmendes Spannungsgefühl unmittelbar vor dem Haareausreißen oder beim Versuch, der Handlung zu widerstehen.
  3. Vergnügen, Befriedigung oder Entspannung während des Haareausreißens.
  4. Das Verhalten kann nicht besser durch eine andere psychische Störung oder einen medizinischen Krankheitsfaktor (z.B. eine dermatologische Erkrankung) erklärt werden.
  5. Die Störung verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.

Es müssen aber nicht alle Punkte erfüllt sein, damit eine TTM vorliegt.

Kannst Du mir sagen, ob ich Trich hab?

Ich möchte eines grundsätzlich feststellen: die Webseite www.trich.de kann und soll nicht mit Diagnosen, egal welcher Art, dienen. Ich bin kein Psychologe oder Arzt. Wer eine Diagnose sucht, muss zu einem Arzt oder Psychologen gehen. Es gibt allerdings Anhaltspunkte, die das Vorliegen einer Trichotillomanie bedeuten können. Wenn Du Dir die Haare ausreißt, es sichtbaren Schaden anrichtet und dir emotional zusetzt, hast Du wahrscheinlich Trichotillomanie. Trich zu haben heißt aber nicht nur, dass man sich die Kopfhaare ausreißt, denn grundsätzlich können alle Körperregionen betroffen sein.

Gibt es eine Heilung?

Diese Frage lässt sich nicht ganz so einfach beantworten wie es scheint. Zuerst einmal, was heißt Heilung? Das Problem ist, dass Heilung bedeuten würde, nie mehr mit Trich kämpfen zu müssen. Doch selbst diejenigen, die schon jahrelang nicht mehr zupfen, kämpfen meist (es gibt Ausnahmen) immer noch mit den Impulsen, auch wenn sie nach einer Zeit schwächer werden. Es gibt kein Medikament, keine Therapie, die Trich einfach so verschwinden lässt. Also gibt es in dem Sinne keine Heilung, wie es sie bei einer Erkältung oder einer Verletzung gibt. Ich weiß nur von einem einzigen Betroffenen, der durch kognitive Verhaltenstherapie relativ plötzlich geheilt war und seitdem nie wieder zupfen musste. Ich denke, wer eine echte Heilung erreichen möchte, muss zuerst herausfinden, was die genaue Ursache ist. Der Schlüssel ist die Akzeptanz von Trich. Wer akzeptiert hat, dass er Trich hat, kann erst dann lernen, Kontrolle darüber zu bekommen. Ursachenforschung und die Eliminierung der Auslöser können dann im Idealfall Trich verschwinden lassen.

Kannst Du mir helfen, Steph?

Ich helfe bereits, so gut ich kann, mit meiner Homepage und allen darauf bereit gestellten Informationen und Interaktionsmöglichkeiten. Soweit es mir möglich ist, versuche ich natürlich einzelne Mails mit Wunsch auf Beratung zu beantworten. Ich bitte aber um Verständnis, wenn ich vielleicht nicht auf alle Fragen antworten kann. Wenn Ihr keine Antwort bekommt, liegt es vielleicht daran, dass Eure Frage schon auf der Homepage beantwortet ist. Nutzt bitte das Forum, den Chat und die Infoseiten und die FAQs, bevor Ihr mir eine Frage stellt.

Was ist mit Medikamenten?

Medikamente, meist aus der Gruppe der Selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI), können die Symptome der Trichotillomanie verringern. Leider gibt es noch keine vielsagenden Studien über ihre Wirksamkeit, und mir wurde auch nicht von durchschlagendem Erfolg eines Medikaments erzählt. Ich selbst habe solche Medikamente auch mal ausprobiert. Es hat bei mir gut gegen die Depression geholfen, aber das Zupfen hat es nicht verhindert. Meist macht es mehr Sinn, eine medikamentöse Therapie begleitend zu einer Verhaltenstherapie oder irgendeiner Form von Psychotherapie zu beginnen. Um die Medikamente zu bekommen, muss man meist älter als 18 Jahre sein. Jugendlichen wird grundsätzlich erst einmal keine Medikamente gegeben, da sie noch im Wachstum und daher empfindlicher sind als Erwachsene.
Ob es Sinn macht, eine medikamentöse Therapie zu machen, kann nur ein kompetenter Neurologe oder Psychiater sagen. Mehr zum Thema Medikamente findest Du hier.

Mein Kind/Nichte etc. reißt, was kann ich tun??

Wenn Du denkst, dass es wirklich Trich ist, kannst Du ihr auf mehrere Arten helfen. Es ist schwerer jemandem zu helfen der nicht drüber reden will oder es sogar verdrängt. Deswegen wäre es wichtig, wenn du zuerst mit ihr drüber redest. Allein das ist schon sehr schwierig! Ich kann dir leider nicht sagen welche Art des Auf-sie-Zugehens sie lieber mögen würde, du kennst sie besser. Wenn du das Gefühl hast, sie will reden, aber kann nicht, könntest du einen Versuch starten indem du vielleicht "rein zufällig" ein Faltblatt über Trich (Homepage) oder einen Ausdruck eines Textes herumliegen lässt. Oder du schreibst einen Brief indem du ihr deine Hilfe anbietest - das fände ich zum Beispiel angenehmer, da ich Zeit hätte zu reagieren. Allerdings besteht da die Gefahr, dass sie sich zurückzieht, weil du es weißt, aber das Risiko hast du immer, deswegen würde ich das vernachlässigen, wenn ihr eine sonst gute Beziehung habt.

Hilfe anbieten ist sicherlich besser als sie aufzudrängen und gleich mit der Tür ins Haus zu fallen mit eventuellen Therapievorschlägen. Die Therapiemöglichkeiten kannst du alle auf der Page nachlesen. Im Internet findest du auch zu allen möglichen Therapien Infos.

Noch mal: Helfen heißt Unterstützung anbieten. Wenn sie weiß, wo sie hingehen kann, wenn sie was loswerden will oder sich rat holen, dann ist schon was gewonnen für sie. Die wenigsten Kids wollen sich sofort therapeutisch helfen lassen – verständlich, wenn man sich überlegt, wie viel Scham und Angst sich dahinter verbirgt. Aber wenn sie andere Leute in ihrem Alter Kennenlernen will, kann sie das gerne tun, indem sie auf die Seite kommt und was schreibt. Hier findet sie alles was sie erst einmal braucht um sich zu informieren und sich bewusst zu machen dass sie Hilfe haben KANN, wenn sie will. Und dass es jede Menge Mädchen und Jungs gibt die das selbe durchmachen. Adressen von kompetenten Therapeuten oder Kliniken findest Du auf der Therapeutenliste. Für Fragen zu Therapeuten und Ärzten in Deiner Umgebung frag bitte bei Antonia Peters nach. Sie hilft Dir gerne mit detaillierten Listen weiter.

Was sind die Ursachen? /Ich kann mir nicht vorstellen warum ich Trich habe.

Viele Betroffene haben TTM, weil sie in der Vergangenheit traumatischen Situationen ausgesetzt waren oder mit schwierigen Verhältnissen konfrontiert wurden. Das muss aber nicht immer der Fall sein. Man kann nicht bei allen einen Auslöser, einen direkten Grund feststellen; aber eine Ursache hat Trich auf jeden Fall. Dazu muss auch keine einmalige oder mehrmalige traumatische Erfahrung vorliegen, wie etwa eine Vergewaltigung und sexueller Missbrauch. In vielen Fällen berichten Betroffene, dass sie als Kinder nicht ernstgenommen wurden, dass sie ihre Bedürfnisse nach Liebe und Zuwendung hinten anstellen mussten.
Viele berichten von einer Überforderung, etwa weil man als Kind zuviel Verantwortung, für sich oder auch für andere, übernehmen musste. Einige litten und leiden unter dem Erfolgsdruck ihrer Eltern und empfanden es oft so, dass sie nach ihrer Leistung bewertet wurden. Die Spanne an möglichen Ursachen ist also groß und vielfältig. TTM wird in Zusammenhang mit Selbstwertproblemen diskutiert. Um die Ursache für TTM und eventuell auch andere Probleme herauszubekommen, ist es nötig, dass der Betroffene zu einem Psychologen oder Facharzt geht. Dieser sucht im Gespräch mit dem Patienten nach möglichen Ursachen und deren Lösung.

Tut das Reißen nicht weh?

Den Berichten vieler Betroffener zufolge empfinden die wenigsten das Reißen als schmerzhaft. Der Vorgang des Haareausreißens ist zwar spürbar, aber in der Regel nicht unangenehm, im Gegenteil. Gelegentlich beschreiben Betroffene das „Knacken“ beim Ausreißen, Herausziehen der Haare als genussvoll und befriedigend.

Was ist Trichophagie? Ist es gefährlich, wenn ich die ausgerissenen Haare esse?

Trichophagie ist das Essen von Haaren. Sie tritt oft verbunden mit Trichotillomanie auf. Haare sind unverdaulich - die Magensäure kann ihnen nichts anhaben, außer dass sie sie einheitlich schwarz färbt, wie Chirurgen berichten. Normalerweise werden unverdauliche Dinge, die in den Verdauungstrakt gelangen, wieder ausgeschieden. Wenn Betroffene jedoch häufig größere Mengen Haare verzehren, dann können sich so genannte Trichobezoare bilden - Haarknäuel, die eine beängstigende Größe erreichen können und manchmal den gesamten Magen ausfüllen. Die Haarbälle können bis zu 1,5 Kilo schwer werden, dann hilft nur noch eine operative Entfernung. Und es ist auch schon zu Todesfällen durch den Verschluss des Verdauungstrakts gekommen. Es ist also wirklich eine sehr gefährliche Angelegenheit.
Auch wenn es vielleicht total beschränkt klingt: wenn ihr schon Haare essen müsst, dann BITTE KAUT SIE IN KLEINE STÜCKE!! So könnt Ihr Euch selbst vor Schlimmerem bewahren.

Wie lange dauert es, bis die Haare wieder nachwachsen?

Laut Infos einer amerikanischen Tagung:

Wimpern - Volle Heilungschance, manche Leute haben sie innerhalb von 6 Monaten, wenn man jahrelang an dieser Stelle gerissen hat, könnte es allerdings auch 2-4 Jahre dauern.
Augenbrauen - Auch völlige Heilung möglich, kann langsamer geschehen als bei den Wimpern. Diese Gegend ist leichter zu beschädigen und bei manchen Leuten kann es sein, dass es nicht mehr komplett nachwächst.
Kopf - Totale Heilung möglich, 2-6 Jahre für normales Haar! Denkt darüber nach: Das Haar wächst nur ca. 1 cm im Monat und man muss bei jedem ausgerissenen Haar warten, bis der Wachstumszyklus wieder einsetzt. Sollte das Haar gekräuselt oder flaumartig nachwachsen, so muss man eine ganze Weile warten, bis sich die Haare wieder normal entwickeln, nach meiner Erfahrung 6 Monate. Und danach muss man die Haare auf Länge wachsen lassen, um das gekräuselte Haar abschneiden zu können.
Ich denke, dieser Zeitraum, den Fr. Dr. Novak angegeben hat, zieht auch diejenigen in Betracht, die sich im Heilungsprozess befinden und ab und zu noch Rückfälle erleben.

Für mehr Informationen schaut mal hier nach.

Was sind die erfolgreichsten Therapiemethoden?

Meist wird bei Trichotillomanie eine Verhaltenstherapie empfohlen, um sich das Symptom „abzugewöhnen“. Eine genauere Ursachenforschung findet man dagegen aber eher im psychoanalytischen Bereich. Eine Verhaltenstherapie ist meist auf 2 Jahre beschränkt, während eine Psychoanalyse erheblich länger dauern kann. Wie gesagt, die Schwerpunkte sind eben anders. Über den Erfolg von Medikamenten lässt sich noch nichts genaues sagen, ich habe noch nicht vom durchschlagenden Erfolg eines bestimmten Medikamentes erfahren.

Bin ich behindert oder geisteskrank, wenn ich Trich hab?

Schnell vorweg: NEIN! Du bist weder weniger intelligent, noch behindert oder sogar geistesgestört, nur weil du Trich hast! Dass Du Trich hast, bedeutet nur, dass du im Vergleich mit anderen Menschen einfach anders mit deinen Problemen umgehst. Andere können anders und vielleicht besser mit Stress, Wut, Ärger oder auch Langweile und ähnlichem umgehen. Die meisten Menschen mit Trich, so zeigen Studien, sind sogar überdurchschnittlich intelligent, haben gute Schulabschlüsse, sind überdurchschnittlich sozial veranlagt und vieles andere mehr, das beweist, dass wir eben nicht dümmer oder geisteskrank sind. Wir sind ansonsten vollkommen normale Menschen. Wir haben nur ein Problem, aber das können wir mit viel Geduld und Zeit auch hinbekommen!

Zweifle nicht an Dir selbst, nur weil Du Trich (und vielleicht noch andere Dinge) hast. Jeder von uns hat eine Schokoladenseite und eine Seite, die man eher weniger mag. Das ist vollkommen normal, aber viele Trichsters vergessen ihre schönen und guten Seiten. Das darfst du aber nicht! Diese Seite ist genauso wichtig wie die Seite, die du vielleicht sogar an dir hasst. Erinnere dich an deine guten Seiten. Mir hilft es, wenn es mir dreckig geht, eine Liste zu machen mit Dingen, die ich an mir gut finde und so lassen will. Auf der anderen Seite stehen die Sachen, die ich an mir ändern will. Versuch mindestens zehn Sachen zu finden, die du an dir gut findest, egal was! Du wirst sehen, wenn dir erst mal bewusst wird, was du alles vielleicht viel zu oft vergisst, wie gut es dir nachher geht, wenn du dir selbst gesagt hast: Du bist ok so wie du bist.

Ich brauche eine Perücke. Auf was muss ich achten und übernimmt das die Krankenkasse?

Viele Trichsters schämen sich sehr wegen ihrer Krankheit und deren Ausmaß. Manche haben größere kahle Stellen und müssen sich überlegen, wie sie die kahlen Stellen noch verbergen können. Da kann es notwendig werden, sich eine Perücke zuzulegen, um nicht noch mehr sozial zu verarmen. Es ist wirklich so: Sobald man sich selbst im Spiegel betrachten kann und sich auf einmal doch ganz hübsch findet, kann man sich wieder unter Menschen begeben, man muss sich nicht länger verstecken. Es tut sehr gut zu spüren wie die Umwelt einen nicht länger anstarrt.
In der Regel sollte es kein Problem darstellen, sich ein Attest von einem Arzt oder Psychologen ausstellen zu lassen. TTM ist eine anerkannte Störung und steht im Katalog der gesetzlichen Kassen. Das Attest gebt ihr dann dem Verkäufer, der wickelt alles für Euch ab normalerweise. Achtet auf die richtige Größe, dass Ihr nicht ausseht, als würdet ihr euch verkleidet haben und dass sie luftig und bequem sitzt. Medizinische Perücken haben meist eine Monofilamentstruktur, daher empfehle ich Euch solche auch zu kaufen. Mehr zu diesem Thema findet ihr hier.

Meine Frage wurde nicht beantwortet.

Naja, man kann nicht jede Frage pauschal beantworten. Wenn es eine Frage ist, die wirklich noch überhaupt nicht beantwortet wurde, dann würde ich dich bitten, sie ins Forum zur Diskussion zu stellen, oder falls das auch nicht ausreicht, kannst du mir auch gerne eine Mail schreiben. Ich werde versuchen, sie so schnell es geht zu beantworten

end faq

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 16. August 2011 um 16:19 Uhr
 

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