Samstag, den 02. Januar 2010 um 17:48 Uhr

Therapie mit Medikamenten

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Trichotillomanie wird, wie viele andere Zwangsstörungen, öfter mit Medikamenten behandelt, mit variierendem Erfolg. Welche Medikamente eingesetzt werden, welche Wirkungen und Nebenwirkungen sie haben und andere Fragen zu diesem Thema werden im folgenden Kapitel geklärt.

Eine ganze Anzahl von Medikamenten wird bereits für die Behandlung von Trichotillomanie eingesetzt, mit variierendem Erfolgsgrad. Es kann eine sehr starke Verbesserung geben, und der Drang zum Reissen könnte verschwinden. Es kommt jedoch öfter vor, dass eine teilweise Besserung eintritt und es kann unglücklicherweise sogar dazu kommen, dass das Medikament unwirksam ist.

Obwohl die medikamentöse Behandlung sicherlich hilfreich sind, so "heilen" sie Trichotillomanie nicht in dem Sinne, wie ein Antibiotikum eine Krankheit "heilt". Wenn man die Medikamente absetzt, setzt das Haareausreissen oft wieder ein - besonders, wenn nicht auch noch gleichzeitig auf eine Verhaltenstherapie gesetzt wurde. Des weiteren kann es sein, dass nach anfänglichem Erfolg die Wirkung auch trotz Weiterführen der Behandlung nachlässt. Wie andere chronische Erkrankungen auch kann die Trichotillomanie Jahre lang anhalten, und eine langfristigere medikamentöse Behandlung kann notwendig werden.

Fragen zur medikamentösen Therapie

Welche Mittel werden gegen Trichotillomanie eingesetzt?

Es gibt eine ganze Anzahl von Medikamenten, die sehr vielversprechend in der Behandlung von Trich sind. Es handelt sich bei diesen Mitteln um Antidepressiva, die den Effekt eines chemischen Neurotransmitters, nämlich den des Transmitterstoffes Serotonin, entscheidend verstärken. Antidepressiva sind unter anderem Clomipramin (Handelsname Anafril), Fluoxetin (Prozac), Fluvoxamin (Luvox), Paroxetin (Paxil) und Sertralin (Zoloft). Diese sind auch die selben Medikamente, die bereits erfolgreich gegen Zwangsstörungen, manchmal auch OCD genannt, eingesetzt werden.

Es muss keine Depression vorliegen, damit die Medikamente wirken! Man sollte jedoch nicht vergessen, dass selbst die am besten untersuchten Medikamente gegen Trichotillomanie im Grunde noch gar nicht gut untersucht sind - erst recht nicht, was die Langzeiteffekte betrifft.
Clomipramin ist ein häufig verwendetes Mittel gegen Trichotillomanie. Obwohl es bislang nur bei der Behandlung von Zwängen anerkannt ist, ist es ein sehr effektives Antidepressivum.

Die üblichen Nebenwirkungen sind hier Mundtrockenheit, Verstopfung und eine erhöhte Herzfrequenz. Andere mögliche Nebenwirkungen können erhöhte Schweißbildung sein, Probleme beim Wasserlassen, Gewichtszunahme, verschwommene Sicht, sexuelle Dysfunktionen und erniedrigter Blutdruck, was sich bemerkbar macht durch Schwindelgefühl oder, selten, durch Ohnmacht.
Wenn es zu Nebenwirkungen kommt, so legen sich diese normalerweise wieder, nachdem der Patient sich an die Behandlung gewöhnt hat. Der Gewichtszunahme kann durch eine geeignete Diät und Sport entgegengewirkt werden. Dieses und die sexuelle Dysfunktion gehören zu den eher länger anhaltenden Nebenwirkungen.

Die Medikamente, die zur Behandlung von Trich eingesetzt werden, gehören hauptsächlich zur Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI). Dazu gehören Fluoxetin, Fluvoxamin und Sertralin. Manche Mediziner haben sie als wirksam befunden bei Trich, aber sie wurden noch nicht als effektiv nachgewiesen in wissenschaftlichen Studien. In der Zukunft werden sie hoffentlich noch mehr untersucht.

Die üblichen Nebenwirkungen der SSRI sind unter anderem Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Nervosität, Angstzustände, Schlafprobleme und ein Herabsetzen der Libido (macht sich bemerkbar durch sexuelle Dysfunktionen). Wie auch mit Clomipramin, werden diese Nebenwirkungen schwächer, wenn sich der Patient an die Medikation gewöhnt hat.

SSRI sind keine Beruhigungsmittel, verändern nicht die Persönlichkeit und haben kein Suchtpotential.

Gibt es andere Medikamente, um Trichotillomanie zu behandeln?

Ja, obwohl deren Effizienz noch weniger nachgewiesen ist. Studien mit Naltrexone (ReVia), einem Mittel, mit dem gegen Alkoholsucht angegangen wird, zeigen, dass dieses auch bei Trichotillomanie wirksam sein kann. Seit kurzem gibt es Studien über Venlafaxine (Effexor), ein Antidepressivum, dass auch gegen Trich wirksam sein soll. Es gibt auch Berichte über Lithium, welches helfen soll; es wurde aber nur an wenigen Patienten versucht. Offenbar liegt die Wirkung des Lithium an seinem stabilisierenden Effekt auf Laune und Impulsivität. Lithium ist ein einfaches chemisches Element, welches als Stabilisierer für Menschen mit manisch-depressiver Störung (bipolare Störung) ein sehr hilfreiches Mittel darstellt. In einer Studie erwies sich Lithium als sehr vielversprechend bei Trichotillomanie. Lithium wird viel seltener eingesetzt als andere Medikamente.

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Auch über die Wirkung von Steroid-Cremes gibt es Berichte. Diese werden auf die Kopfhaut gegeben und können so dem Juckreiz und den Schmerzen, die durch das Haareausreißen entstehen können, entgegenwirken. Diese Cremes können besonders gut in Kombination mit einer medikamentösen und/oder verhaltenstherapeutischen Behandlung helfen.

Es gibt sehr viele Berichte, aber keine wirklich wissenschaftlichen Belege dafür, daß auch andere Mittel bei Trich eingesetzt werden können. Diese beinhalten Tranquilizer (oder auch Neuroleptika genannt) wie zum Beispiel Haloperidol (Haldol) und Pimozid (Orap); Mittel gegen Nervosität und Ängste wie Buspiron (BuSpar); Benzodiazepine wie Alprazolam (Xanax), Clonazepam (Klonopin), Diazepam (Valium), Lorazepam (Ativan) und andere. Therapeuten, die sich mit Trichotillomanie auskennen, sollten die neuesten Mittel kennen.

Heilen die Medikamente von Trichotillomanie?

Nein, die Trichotillomanie kann nicht dadurch "geheilt" werden. Die Medikamente können lediglich helfen, die Impulse besser zu kontrollieren.
Bei Trichotillomanie-Patienten, können diese bei folgendem helfen:

  1. Die Kondition verbessern

  2. Medikamente gegen Trich können den Zustand allgemein verbessern, also den Drang und den Impuls, sich die Haare auszureissen, erheblich vermindern.

  3. Rückfällen vorbeugen

  4. Die Medikamente können die Häufigkeit und/oder die Heftigkeit der Rückfälle stark abmindern.

Die Tatsache, dass diese Medikamente eher zur Kontrolle als zur völligen Heilung dienen, ist unbedingt zu beachten. Es bedeutet nämlich, dass beim Absetzen der Medikamente die Symptome wie Haareausreissen und Stress wieder auftauchen können.
Die Methode, bestimmte Störungen eher zu kontrollieren, als sie heilen zu wollen, wird relativ häufig angewendet. Das bekannteste Beispiel ist vielleicht die Benutzung des Insulin bei Menschen, die an Diabetes leiden. Das Insulin heilt seine Kondition zwar nicht, aber es hilft ihm dabei, ein normales Leben zu führen. Hört man auf, Insulin zu geben, tauchen die Symptome wieder auf. Obwohl das Insulin viele der Symptome wegnimmt und viele der schädigenden Effekte verhindert, so ist die Diabetes selbst noch da. Andere Beispiele, bei denen die Störung kontrolliert wird, sind Arthritis, Bluthochdruck oder Herzfehler.

An wen sollte ich mich wenden, um Medikamente zu bekommen?

Am besten wenden Sie sich dazu an einen Facharzt, das bedeutet an einen Neurologen oder Psychiater. Er kann Ihnen die geeigneten Mittel verschreiben.

Welches Medikament ist für mich am besten geeignet?

Ein Therapeut, der Erfahrung mit der medikamentösen Behandlung von Trich hat, wird Ihnen am besten helfen können. Indem er die einzelnen Symptome wie Haareausreissen und eventuell vorliegende Depressionen auswertet, kann er Ihnen das geeignete Mittel geben. Welches Sie bekommen, hängt natürlich auch von den Nebenwirkungen ab. Er wird das Medikament also ganz nach Ihren Bedürfnissen aussuchen, eines, dass die größten Erfolgschancen bietet und gleichzeitig ein niedriges Potential an Nebenwirkungen besitzt.

Mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern gegen den Zwang

Bewährt haben sich vor allem Medikamente aus der 'zweiten Generation' der Antidepressiva, die spezifischen Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI).
von: A. S. Klahre Priv.-Doz. Dr. A. Deister
Erstellt am: 15.06.2001 (aus: www.yavivo.de)

Wirkung

SSRI steigern die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Sie sind gut verträglich und bei Überdosierung sicher. Sie beseitigen nicht nur die Symptome der unipolaren Depression (Major Depression), sondern auch die bei Zwangssyndromen, Panikstörung und sozialer Phobie. SSRI sind bei diesen Störungen sogar dann wirksam, wenn keine depressiven Symptome vorhanden sind.
SSRI sind keine Beruhigungsmittel, verändern nicht die Persönlichkeit und haben kein Suchtpotential.

Wirkungseintritt

Bei der Therapie der Zwangsstörungen sollen mindestens vier bis sechs Wochen abgewartet werden, bevor mit einer Wirkung gerechnet werden kann. Ist nach zehn bis zwölf Wochen keine Veränderung zu erkennen, sollte das Präparat gewechselt werden.
SSRI müssen langfristig eingenommen und beim Absetzwunsch langsam über Monate reduziert werden. Nach Absetzen kommt es bei etwa 80 Prozent der Patienten binnen zwei Jahren zum Rückfall in die ursprüngliche Symptomatik. Die Gründe dafür sind unklar.
Die Behandlung wird dann als erfolgreich angesehen, wenn die Patienten sich subjektiv fähig fühlen, die Symptome zu kontrollieren. Allein die Ahnung, wieder weitgehend ohne Zwänge leben zu können, erleben viele als überwältigend.

Nebenwirkungen

SSRI können anfänglich Nebenwirkungen aufweisen, diese klingen jedoch nach spätestens zwei, drei Wochen ab. SSRI können Unruhe und Schlafstörungen verstärken. Antidepressiva unterscheiden sich stark bezüglich ihrer Wirkungen auf den Schlaf.
Eine mögliche Nebenwirkung aller Antidepressiva, die den Serotoninspiegel erhöhen, sind sexuelle Funktionsstörungen (Libidoverlust, Orgasmusstörungen).
Ein weiterer Effekt ist von allen Antidepressiva gut bekannt: Eine Kombination mit Alkohol ist insbesondere zu Therapiebeginn mit ausgeprägter Benommenheit und gestörten psychomotorischen Fähigkeiten verbunden.
Weitere anfänglich mögliche Nebenwirkungen aller SSRI: Übelkeit, Kopfschmerzen, verstärkte Transpiration, Interesselosigkeit und Gleichgültigkeit.

Dosierung

Anlässlich eines Symposiums der American Psychiatric Association (APA) im Mai 1999 in Washington/USA, erläuterte Dr. J.H. Greist, Middleton, den aus praktischer Sicht wichtigen Hinweis, dass mit niedrigen Dosierungen begonnen und erst bei unzureichender Wirksamkeit nach einer längeren Beobachtungsdauer die Dosis vorsichtig erhöht werden soll. Damit sollen einerseits Nebenwirkungen minimiert werden, andererseits liegen dieser Empfehlung klinische Studienergebnisse zu Grunde, wonach die Dosis-Wirkungsbeziehung nicht ganz überzeugend war.
Substanzen:
Citalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin

Eine Selbstmedikation bei Zwängen ist gefährlich!

Zuletzt geändert am: Dienstag, den 26. April 2011 um 21:17 Uhr

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Empfohlene Literatur