Samstag, den 02. Januar 2010 um 17:50 Uhr

Gesprächstherapie

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Die Gesprächstherapie nach Rogers, die sogenannte „klientenzentrierte Therapie“, stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Sie vertraut auf die Fähigkeiten des Patienten und verzichtet dabei bewusst auf „Experten“, Techniken und „Rezepte“. Es geht bei dieser Therapie darum, durch menschliche Beziehung von Person zu Person Hilfe anzubieten und Heilung durch Wertschätzung und positive Zuwendung zu ermöglichen.

Was ist Gesprächstherapie?

Die Bezeichnung Gesprächspsychotherapie kann zunächst verwirrend sein, da angenommen werden kann, dass bei fast jeder Therapie das Gespräch zwischen Hilfesuchendem und Therapeut eine große Rolle spielt. Dieses von Carl Rogers eingeführte Verfahren trägt daneben noch die weniger bekannten Titel: "Nichtdirektive Therapie" oder "Klientenzentrierte Therapie". Am zuletzt genannten Begriff fällt auf, dass hier nicht von Patienten, sondern von Klienten die Rede ist.

Die Gesprächstherapie ist eine psychotherapeutische Methode auf der Grundlage eines nichtdirektiven Eingehens auf den Patienten, der in einer angstfreien und zwanglosen Atmosphäre in der Lage sein soll, seine Probleme und Konflikte vorwiegend selbst zu lösen. Der Therapeut stellt keine Fragen und gibt keine Ratschläge, sondern lässt dem Patienten volle Freiheit, worüber er sich aussprechen möchte, und reflektiert die Gefühle des Patienten. Im Verlauf der Therapie findet auf diese Weise ein Umlernen früher erworbener falscher Einstellungen in Richtung Selbstverwirklichung statt. Die Selbstverwirklichung bedeutet dann u.a. das Streben nach Verringerung der Distanz zwischen Selbstbild (das ist die Art und Weise, wie sich ein Individuum selbst sieht bzw. welche Fähigkeiten, Rollen usw. es sich selbst zuschreibt) und Idealbild (das ist die Art und Weise, wie eine Person sein möchte auf Grund der internalisierten Normen und Werte seiner Bezugsgruppe).

Rogers geht von einem positiven Menschenbild aus. Er glaubt, dass in jedem Menschen die Kraft und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung vorhanden ist. Manchmal müssten diese Kräfte jedoch zuerst gelockert und befreit werden.
Wichtig ist, dass der Klient lernt, sich selbst grundsätzlich zu bejahen. Er soll auch Erfahrungen, die er bisher nicht bewältigen konnte und daher "verdrängte" in sein Selbstkonzept integrieren.

In einer Therapie nach Rogers muss der Therapeut dem Klienten folgende Werte entgegenbringen:

  • emotionale Wärme und Wertschätzung
  • Echtheit ("Ehrlichkeit im Empfinden")
  • Empathie (einfühlendes Verstehen)

Ein wichtiger Punkt in der Therapie ist das verbale Ausdrücken von Gefühlen. Dadurch soll es dem Klienten ermöglicht werden, sich selbst, seine Emotionen und seine Bedürfnisse besser kennenzulernen. Das Ziel der Behandlung ist nicht, mögliche z.B. frühkindliche Konflikte als Ursache der Probleme des Klienten zu ermitteln und nachträglich zu lösen. Vielmehr soll der Klient mit Hilfe des Therapeuten zu einer Klärung seiner Gefühle, Wünsche und Wertvorstellungen kommen. Er bestimmt selbst weitgehend, worüber er reden möchte.
Der Therapeut begegnet ihm nicht als übergeordneter Fachmann, sondern als gleichgestellter Helfer. Er fasst das, was der Klient ihm gegenüber geäußert hat, in eigenen Worten zusammen, er äußert jedoch keine Diagnosen oder Ratschläge und versucht nicht, zu überzeugen.

Eine Gesprächstherapie nach Rogers dauert mit meist 10-50 Stunden nicht lange. Sie setzt beim Therapeuten und Klienten eine gut ausgeprägte Fähigkeit zum Verbalisieren voraus. In leicht abgewandelter Form wird sie z.B. als "Spieltherapie" bei Kindern und als Gruppentherapie durchgeführt.

Ein Gesprächs-Therapeut erzählt:

Ich halte Menschen für grundsätzlich in der Lage, das eigene Leben derart zu gestalten, dass die ureigensten Bedürfnisse erfüllt werden können und eine persönliche Selbstentfaltung möglich ist. Ein Konflikt deutet sich an, wenn eine Diskrepanz zwischen realer und idealer Vorstellung, die eine Person von sich hat, entsteht. Dieses Missverhältnis führt zu psychischen Störungen wie z.B. Ängsten oder Depressionen. Eine vertrauensvolle Atmosphäre kann dies durch Selbstreflexion in der Gesprächstherapie ausgleichen. Konflikte können jedoch auch durch psychische Faktoren wie andauernde unbefriedigte Bedürfnisse nach Anerkennung und Zuwendung, nach Sinnfindung und mehr Selbstbestimmung, nach Erfolgserlebnissen, aber auch durch geringe Bewältigungsfähigkeiten entstehen.

Als meine Aufgabe als Therapeut sehe ich es, konkrete Ziele und Ratschläge möglichst zu vermeiden. Ich versuche, Bedingungen zu schaffen, die es dem Patienten ermöglichen, seine Bedürfnisse und Konflikte zu erkennen, zu sich selbst zurückzufinden und selbst zu beurteilen, wie ein befriedigendes und sinnreiches Leben für ihn aussehen kann. Eine direkte Beratung durch den Therapeuten würde den Wachstums- und Selbstentfaltungsprozess stören. Die jedem Menschen angeborene Fähigkeit zu Wachstum und Selbstverwirklichung wird sich durchsetzen, wenn die therapeutische Atmosphäre vertrauensvoll, aufmerksam und offen ist und es Ressourcen für die Aktivierung der Selbstheilungskräfte gibt.

Durch einfühlendes Verstehen, durch bedingungslose Achtung der Persönlichkeit und Würde, bei vorbehaltloser, positiver Wertschätzung möchte ich mit menschlicher Wärme, zu dieser Atmosphäre beitragen. Gefühle müssen erkannt und akzeptiert werden, um sie zu verdeutlichen. Die Spiegelung der Gefühle, Einstellungen und Verhaltensweisen des Patienten ermöglicht es ihm, sich Klarheit über sie zu verschaffen, sich mit ihnen auseinandersetzen und lernen, sie anzunehmen.

Das Erkennen und "Verstanden werden" in der Therapie ermöglicht darüber hinaus nicht nur eine Neubewertung der eigenen Gefühle, sondern der Patient findet so leichter zu seiner eigenen Mitte. Dadurch wird es ihm möglich, seine Persönlichkeit, Schwächen und Mängel zu akzeptieren und damit ins eigene Leben zu integrieren. Das Bemühen des Therapeuten ist es, zu akzeptieren, empathisch, kongruent und präsent zu sein und damit den inneren Bedeutungsrahmen des Patienten zu verstehen. Dies geschieht in der Gesprächstherapie vor allem durch die verbale Ebene: durch genaues Zuhören, Nachfragen, Antworten, Sich-Formulieren. Indem der Patient im Wissen seiner Stärke und Fähigkeiten die Verantwortung für sich selbst übernimmt, wird er zufriedener und kann sich zu einem reifen, ausgeglichenen und sinnzentrierten Menschen entwickeln.

C. G. Jung meint:

... die großen Probleme des Lebens sind nicht da, dass wir sie lösen, sondern es kommt darauf an, dass wir unablässig an ihnen arbeiten."

Hintergrund

Die "Humanistische Psychologie" wird oft - neben den zwei anderen großen Strömungen "Psychoanalyse" und "Verhaltenstherapie" - als die dritte große Säule der Psychotherapie bezeichnet.
Die "Klientenzentrierte Psychotherapie" gehört in diese Richtung der vielen heterogen Strömungen in der auch die Gestalttherapie, Existenzanalyse und Individualpsychologie vertreten sind. Gegründet wurde diese auch bei uns verbreitete Therapieform in den 40-er Jahren durch den amerikanischen Psychologen Carl Rogers. Im deutschen Sprachraum bekannt ist das Ehepaar Tausch, von dem auch die Übersetzung "Gesprächstherapie" stammt. Angemerkt sei, dass "klientenzentriert" grundsätzlich mit "personenzentriert" gleichzusetzen ist, obwohl sich z.B. in Österreich zwei Gesellschaften mit unterschiedlicher Auffassung diesbezüglich innerhalb der Therapieform durch dieses Namensdetail unterscheiden.

Allgemein scheint heute die Meinung akzeptiert zu sein, dass die Grundsätze der "client-centered psychotherapy" die Grundlage für überhaupt jeden Umgang mit Klienten oder Patienten bilden sollten (Vgl. Dahmer u. Dahmer (1992)). Dementsprechend häufig bezieht sich Literatur zum Thema Gesprächsführung auf die Theorien von Rogers. Die Auseinandersetzung mit den grundlegenden Elementen der Gesprächstherapie scheint somit allen Angehörigen der helfenden Berufe empfohlen. Die vorliegende Arbeit soll eine kurze Darstellung dieser Elemente geben.
Überdies erscheint in dieser unserer Welt der Wunsch als Person angenommen und akzeptiert zu werden als nur allzu verständlich. Es ist dieses Verlangen in uns allen, das Rogers Theorien heute so aktuell werden lässt.

Der personenzentrierte Ansatz hatte auch Einfluss auf viele Bereiche außerhalb der Psychotherapie, wie familiäres Zusammenleben, Ausbildung, Personenführung, Konfliktforschung, Politik und Gemeinwesen. Rogers größter Beitrag liegt meiner Meinung nach in seinem Ruf nach ethischer und humaner Behandlung von Personen und in seiner Annäherung an die Psychologie als Wissenschaft von Menschen und nicht als reiner Naturwissenschaft.

Das Menschenbild

Der Mensch wird als Organismus gesehen, der die ihm innewohnenden Möglichkeiten auf eine konstruktivistische und sozial verbindende Weise zur Entfaltung bringen möchte. Diese Tendenz wird "Aktualisierungstendenz" genannt. Alle körperlichen und psychischen Funktionen sind auf zunehmende Integration und Differenzierung ausgerichtet. Jeder Mensch hat ein fundamentales Recht auf die Entfaltung dieses Potentials.

Grundlegend für die Entwicklung der Persönlichkeit sind die erfahrenen positiven Wertschätzungen durch andere (primär durch die Eltern). Die Annahme einer Aktualisierungstendenz ist fundamental für Rogers Theorie. Diese Auffassung steht im Gegensatz zu Freud und den lerntheoretischen Konzepten, die den Menschen eher durch Mangel motiviert sehen. Ziel sei die Homöostase - ein Streben nach Spannungsausgleich.

Anders als Freud sieht Rogers Konflikte nicht als unvermeidbar und Menschen nicht als grundsätzlich destruktiv. Nur der Zustand der nicht "fully functioning person" führt zu Störungen des Bewusstseins, zu Fehlfunktionen und zu destruktivem Verhalten.
Vorläufer dieses Menschenbildes finden sich in der Philosophie des Altertums. Protagoras erklärte den Menschen zum "Maß aller Dinge" und Sokrates findet den Menschen "von Natur aus gut". Unmoralisches Verhalten resultiere aus "Gedankenfehlern" und einer falschen Folgeeinschätzung.

Vorläufer in der Neuzeit finden sich im französischen Existentialismus eines Sartre oder Camus, sowie in den Anfängen bei Kierkegaard. Trotz des eigentlich düsteren Menschenbildes des Existentialismus - der Mensch erkennt sich als "in die Welt geworfen" und die aus dieser Erkenntnis entstehende Angst ist seine Grundbefindlichkeit - zeichnet sich ein positiver Hintergrund ab: die bewusste Abkehr von einem rationalistischen Menschenbild und eine intensive Beschäftigung mit den emotionalen Grunderfahrungen.

Der Kommunikation kommt besondere Bedeutung zu. Nach Gehlen (in Reutterer (1992)) ist der Mensch als "Mängelwesen" wegen seiner mangelnden Spezialisierung auf soziale Institutionen und Verhaltensmuster angewiesen. Nur die Kommunikation und Kooperation mit den anderen seiner Spezies erlaubt die Organmängel zu kompensieren.
Der Psychiater Jaspers (in Reutterer (1992)) sieht, dass der Mensch seine eigentliche Existenz nur in Kommunikation mit den anderen erreichen kann.
Der Existentialismus kann natürlich nur als parallele Strömung bzw. vielleicht als geistiges Umfeld denn als Ursprung für Rogers klientenzentrierten Ansatz angesehen werden.

Für Rogers waren nach einen eigenen Angaben seine Besuche im fernen Osten und die Auseinandersetzung mit den dort ansässigen Religionen bedeutend für die Entwicklung seines Menschenbildes und damit für den Hintergrund seiner Theorien. Rogers selbst bemerkte einige Ähnlichkeiten mit den Grundzügen des Zen-Buddhismus.
Ebenso wie der Freud-Schüler Rank war Rogers der Meinung, dass der Klient zu seinem Willen und seiner eigenen Wirklichkeit finden müsse. Der Klient ist der eigentliche Experte. Er alleine weiß um seine Bedürfnisse, wenngleich zu Beginn, am Anfang des therapeutischen Kontinuums stehend nur vage und undeutlich, später durch Fortschritt im therapeutischen Prozess immer klarer und mitteilbar.
Der klientenzentrierte Ansatz verdankt seine Entwicklung und Weiterentwicklung ganz sicherlich der Tatsache, dass sich Rogers vielen Strömungen öffnen und seine Theorien immer wieder einer, auch empirischen, Überprüfung unterziehen konnte.

Wem kann die Gesprächstherapie helfen?

Die Gesprächstherapie hilft Menschen zur Konfliktbewältigung bei vielen seelischen Krisen wie:

  • Angststörungen (akute, diffuse, lavierte und generalisierte Ängste)
  • Depressionen
  • Zwangsstörungen
  • psychosomatische Erkrankungen
  • Burn-out Syndromen
  • Stresssyndromen
  • Schlafstörungen
  • vegetative und funktionale Störungen (Dystonie)
  • Kopfschmerzen / Spannungsschmerzen

Die tragenden Elemente in der Therapie

Kongruenz

Darunter versteht Rogers die Tatsache, dass der Therapeut in der Interaktion mit dem Klienten "Echtheit" zeigen kann, ohne sich hinter einer Maske oder Fassade verstecken zu müssen. In der Praxis bedeutet dies, dass der Therapeut dem Klienten seine Ängste, Regungen offen mitteilt. Rogers sieht die Kongruenz als die grundlegendste der Haltungen des Therapeuten an, ganz sicher ist sie die am schwersten zu realisierende, was auch Untersuchungen belegen.

Die Gefahr, im Klienten Missempfindungen wie Scham und Enttäuschung hervorzurufen, und damit den therapeutischen Fortschritt zu gefährden, ist groß.
Auf der anderen Seite ist die Forderung nach Kongruenz unabdingbar, da nur so beim Klienten das Erleben einer echten Beziehung, in der sich der Therapeut als Person einbringt, erreicht werden kann. Die Echtheit des Therapeuten ist die Reflexion, anhand derer sich der Klient an seine eigene Echtheit herantasten kann.
Wie auch bei der Empathie ist die Kongruenz ein therapeutisches Element von dem ganz besonders Psychotiker profitieren, da diese meist ein sehr feines Gespür für Verstellungen und Unterdrückung von Gefühlen ihres Gegenüber haben.

Das Konzept der Kongruenz bedeutet allerdings nicht, und darf in dieser Hinsicht auf gar keinen Fall missverstanden werden, dass die Rollen getauscht werden könnten und dass nun der Therapeut den Klienten mit seinen Problemen belastet. Es besagt lediglich, dass der Therapeut der Versuchung widerstehen soll, seine, vielleicht auch unangenehmen Gefühle, hinter einer professionellen Maske zu verstecken. Inwieweit diese Forderung nun in jedem einzelnen Fall in der Praxis erfüllbar ist, sei dahingestellt (Vgl. Strotzka (1992)).

Empathie

Unter Empathie versteht man ganz allgemein den Grad des Einfühlungsvermögens, das, in diesem Fall, der Therapeut dem Klienten entgegenbringt. Es ist für den Fortschritt des therapeutischen Prozesses von entscheidender Wichtigkeit, dass der Therapeut in der Welt des Klienten zuhause und dessen Gefühle und ihre Bedeutung präzise zu erfassen in der Lage ist.
Der Therapeut gibt die so aufgenommenen Gefühle in Form eigener Worte an den Klienten zurück, wobei er versucht gerade jene Bereiche darzustellen und zu erhellen, die sich am Rande des Gewahr Werdens durch den Klienten befinden. Die Worte des Klienten "Ja, gerade das habe ich damit sagen wollen" illustrieren wie sich dem Klienten Stück für Stück seine eigene innere Welt dem Bewusstsein erschließt. Das Gefühl verstanden zu werden schafft vermehrtes Vertrauen in sich selbst und in die Person gegenüber. Die damit verbundene positive Rückmeldung vermehrt ebenso den Wunsch sich und seine Gefühle mitzuteilen, und damit die soziale Kompetenz des Klienten.

Es konnte gezeigt werden, dass auf Psychotiker schon allein der Versuch des Verstehens einen positiven Einfluss ausübt, selbst wenn dies meist nicht möglich sein wird.
Auf der Seite des Therapeuten birgt der Versuch des Verstehens und Einfühlens das Problem des Mitleidens und Hineingezogenwerdens in sich. Der Therapeut darf sich durch die vorübergehende Aufgabe seiner eigenen Einstellungen nicht selbst gefährden.

Wertschätzung und positive Zuwendung

Wertschätzung und positive Zuwendung sind die Gefühle der wertfreien, bedingungslosen Akzeptanz und Anerkennung der Person, die der Therapeut dem Klienten im Idealfall entgegenbringt und seinem Gegenüber auch ausdrücken kann.
Die Schaffung von Wärme ohne Bewertung und Urteil erzeugt eine Atmosphäre, die die in jeder Person verborgenen Wachstumspotentiale zur Entfaltung bringen.

Dieses therapeutische Element ist wohl am stärksten mit dem hinter diesem Konzept stehenden Menschenbild verbunden. Die Therapie Rogers beruht hier sehr deutlich auf einem Vertrauensvorschuss.
Die an keine Forderungen gebundene Anerkennung der Person des Klienten ist vielleicht vergleichbar mit der Liebe, die Eltern ihren Kindern entgegenbringen. Unabhängig davon, ob sie deren Verhalten billigen oder nicht vermittelt eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kind dem Kind das Gefühl angenommen zu sein. Ebenso wie die Entwicklung dieses Gefühls für eine positive ontogenetische Entwicklung notwendig ist, so ist sie bedeutend für einen Therapiefortschritt.

Der therapeutische Prozess

Postuliert wird hier eigentlich eine eindimensionale Skala, auf der sich der Fortschritt während einer erfolgreichen Therapie durch eine mehr oder weniger monoton steigende Fortbewegung in Richtung Endpunkt abzeichnet.
Diese Annahme bietet natürlich eine gewisse Angriffsfläche und auf eine ausführliche Kritik kann hier nicht eingegangen werden.
Die erwähnte eindimensionale Skala ist in 7 Punkte aufgeteilt und sei nachfolgend kurz beschrieben:

  1. Die Person ist rigide und nimmt keine Probleme wahr, bzw. zeigt kein Bedürfnis nach Veränderung.
  2. Die Person spricht über Wahrnehmungen und Probleme, die außerhalb ihres Selbst liegen.
  3. Die Person spricht über sich selbst, Rollenkonstrukte können erkannt werden. An diesem Skalenpunkt ist meistens der Einstieg in die Therapie gegeben.
  4. Die Person beschreibt ihre Gefühle in der Gegenwart.
  5. Gefühle werden nun als unmittelbar gegenwärtig erlebt und geäußert.
  6. Das Selbst und das fortwährende Erleben wird eins.
  7. Eher eine "Leitvorstellung" - "the fully functioning person"

"The fully functioning person" ist der Zustand, in dem sich eine Person befindet, die in ihrer Entwicklung nur wertfreie, positive Zuwendung erfahren hat. Sie befindet sich in Kongruenz mit ihrem Selbst und ihren Erfahrungen.
Dieser idealisierte Zustand, ist jener einer Person, die offen ist für die Erfahrung des existentiellen Seins, die Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten besitzt, ihre Gefühle frei äußern kann und die ein kreatives und reiches Leben führt. Für Rogers ist dieser Zustand eher ein Prozess als eine real erreichbare Möglichkeit. Die Hoffnung liegt in der Zuversicht in die Möglichkeit aller Menschen, sich diesem Zustand auf einem Kontinuum zu nähern.

Zusammenfassung

Die Gesprächstherapie

  • stellt den Menschen in den Mittelpunkt und vertraut auf seine Fähigkeiten
  • verzichtet daher bewusst auf »Experten«, Techniken und »Rezepte«
  • ist ein Weg, durch menschliche Beziehung von Person zu Person Hilfe anzubieten

Zuletzt geändert am: Mittwoch, den 20. April 2011 um 13:56 Uhr

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