Montag, den 21. Februar 2011 um 14:58 Uhr

Laras Geschichte

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Hallo! Ich heiße Lara und ich habe auch "Trich".

Ich weiß nicht mehr genau wann es anfing, ich glaube es war mit 18. Jetzt bin ich mittlerweile 21 und habe es immer noch nicht geschafft. Man denkt immer, es wird schon aufhören. Mein Freund hält zu mir, aber er würde es auch besser finden wenn ich es endlich mal lasse. Logisch. Ich ja auch. Ich habe ihn schon davor kennen gelernt. Er ist praktisch damit aufgewachsen. Ich bin froh, das er da ist.

Ich schäme mich dafür, fühle mich aber, wenn ich es tue, genau in dem Moment, sehr befreit. Leider hält die Befreiung nicht sehr lang an, so das ich immer und immer wieder.... Den Mut zum Arzt zu gehen, finde ich nicht. Ich meide von Natur aus gerne Plätze wo viel los ist. Außerdem wohne ich am Arsch der Welt. Ich bezweifle überhaupt das mein Hausarzt weiß was das "Trich" ist.
Ich dachte immer, ich bin sowieso nicht ganz normal weil ich mir Haare rausreisse. Dass es eine anerkannte Krankheit ist, wusste ich nicht, bis zu dem Tag als mir meine Mutter eine Zeitung mitbrachte wo eine Frau (Antonia Peters) ihre Leidensgeschichte erzählte. Die Überschrift war: "Eine Frau im Kampf gegen einen schrecklichen Zwang." Ich habe geweint. Nun kannte ich endlich den Begriff dafür. So begann meine Neugier und Forschung und ich bin auf deiner Seite gelandet.

Vor einem Jahr hatte ich es fast geschafft. Aber es hielt nicht lang an. Vor einer Woche war (ich betone das war) es wieder einmal kurz davor zuzuwachsen. Ich reisse mir die Haare am Hinterkopf raus (Wirbel), vorallem die häßlich gekräuselten. Aber auch manchmal am Pony. Ich kann es noch geradeso verstecken.
Wenn ich meine Haare frisch gewaschen habe, lege ich sie ganz gekonnt übereinander und binde sie zu einem Pferdeschwanz. Das ist schon eine Kunst. Wenn dann die kahle Stelle doch noch im Spiegel durchschimmert, könnt ich kotzen. Ich hasse mich dann abgrundtief, das ich es nicht einfach lassen kann. Meine Eltern haben sich (glaube ich) damit abgefunden. Am Anfang haben Sie mich sehr geschimpft. Ich würde das mit Absicht tun und so. Das tat mir sehr weh. Immer wenn mich meine Mutter ertappte, rief sie ganz laut: "NEIN!" Ich zucke dann zusammen. Für den Moment lies ich es dann auch sein. Aber sobald ich wieder unbeobachtet war...
Meine Mutter sagte mal: "Da müssen wir dir mal Senf oder andere eklige Sachen etc. auf die Finger schmieren, dann wirst du es schon sein lassen." Sie hat es nicht getan (Ich glaube, nicht mal dann würde ich es lassen). Sie will mir helfen, hat aber bedingt durch ihre Arbeit sehr wenig Zeit und sehr viel Stress. Von meinem Vater ganz zu schweigen. Ich setze gern Mützen auf. Ich fühle mich wohl. Mein Vater verbietet es. Ich würde aussehen wie ein Junge, meint er. Ich habe auch schon oft Haushaltshandschuhe aufgesetzt. Das geht sogar für eine gewisse Zeit. Aber ich kann doch nicht nur mit Gummihandschuhen durch die Gegend laufen.

Wenn ich mir Gedanken darüber mache wie es angefangen hat, komme ich auf keinen wirklichen Grund. Schlechte Erfahrungen in Beziehungen hat ja schon jeder mal durchgemacht. Ob das bei mir etwa hängen blieb? Auch habe ich eine angeborene Behinderung. Damit habe ich mich aber längst abgefunden. So zum Ende ein ganz großes Lob an dich Steph! Diese Webseite ist wunderschön. Auf dem Bild mit der Zweitfrisur siehst du echt super aus. Ist das ne Perücke? Wo gibt's sowas?

Ich danke dir dafür das du deine und die anderen ihre Geschichte ins Netz stellen. So fällt es mir auch leichter. Mir gibt das sehr viel. Ich werde wohl doch mal zum Arzt gehen. Mein ganzes Leben will ich das nämlich nicht tun. Und wer kann mir sonst schon helfen. Allein schaffe ich es nicht, das weiß ich jetzt.

Ciao, Lara

1 Kommentar

  • Kommentar Link Jamila Samstag, den 11. August 2012 um 16:45 Uhr Gepostet von Jamila

    Was auch helfen kann, ist eine Runde Tesafilm um den Zeigefinger und eine um den Daumen (bzw die Finger, mit denen man zupft). Allerdings wirkt das sicherlich komisch außer Haus

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