Montag, den 21. Februar 2011 um 15:05 Uhr

Natea

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Hallo!

Dies ist meine Geschichte, die nicht nur von meiner Trich-Erfahrung berichten, sondern euch vielleicht auch ein wenig Hoffnung geben soll, Trich aus eigener Kraft zu besiegen.

Ich litt seit meinem 17. Lebensjahr unter Trich - aber das erste Mal schreibe/rede ich jetzt hier darüber, obwohl Familie/Umfeld ja schon so einiges mitbekommt. Dafür vielen Dank an Steph für diese tolle Homepage! :-) :-) :-)
Mit 17 entdeckte ich das erste Mal beim Duschen, dass ich ein dickes Haar mit Wurzel in der Hand hielt. Es ist mir einfach beim Haarewaschen ausgegangen. Später ertappte ich mich dabei, mir ständig durch meine fülligen, sonst sehr festen und schönen Haare zu fahren, und ständig hielt ich Haare in meinen Händen. Es war eine Art "Prüfen" was darin so hängenbleibt. So fuhr ich mir täglich sehr oft durch die Haare, was sich in Stressituationen allmählich steigerte. Zum Beispiel beim Lernen für eine Klausur zupfte ich ständig daran herum und begann dabei dann auch das "Ausreißen". Ich riss mir die Haare aus!
Und noch schlimmer: ich hatte das Bedürfnis, an den Haarwurzeln herumzukauen. Später dann auch, die Haare zu essen! Schließlich riss ich mir nur die Haare aus, um darauf herumzukauen. Mit 18 zog ich in eine andere Stadt und da dort mein fülliges Haar nicht bekannt war, fiel dieses junge Mädchen mit den etwas lichten Haaren nicht sonderlich auf. Ich wurde nirgendwo auf meine dünnen Haare angesprochen, obwohl ich manchmal schon kahle Stellen hatte, zwar nur sehr kleine, aber immerhin.

Meine Haare trug ich jetzt immer sehr kurz, ich brauchte gar nicht mehr zum Friseur! Durch das Reißen bekam ich eine sehr blöde Kurzhaarfrisur, da ich immer nur die längeren Haare ausriss - zum Glück hatte ich noch nicht die "Technik" drauf, mir ganz kurze Haare herauszureißen. So ging es Jahr um Jahr.

Ich hatte zwar Beziehungen und wurde als allgemein sehr attraktiv angesehen, aber trotzdem kam ich mir ständig unattraktiv vor.
Mit 25 zog ich mich von meiner Außenwelt zurück, hatte etwas Übergewicht und beschloss, nicht mehr als "haarloses Trampel"- ja, so sah ich mich- herumzulaufen! Ich schnitt mir Photos von schönen Frisuren aus Zeitungen heraus und legt mir Ziele fest, sowie optische, als auch seelische und profane berufliche Ziele (Studium wechseln, beenden). Ich schaffte es nach einem Jahr, 10 Kilo abzunehmen und mein Haare reißen & essen auf "nur" den Oberkopf zu beschränken. Zum ersten Mal nach fast 10 Jahren wuchsen meine Haare an den Seiten und hinten, so dass ich sie wieder schneiden musste! Nur oben und am vorderen Kopfbereich wuchsen sie natürlich nicht. Zum einen durch mein Reißen, zum anderen kam es mir so vor, als würden die Haare oben sowieso nicht länger als 5-10 cm! Es war schon komisch und schließlich schnitt ich meine Haare an den Seiten & hinten auch wieder kürzer, denn es sah schon ziemlich blöd aus, wenn es "oben" nicht mitwuchs.
Ich zog dann um, versuchte mein Leben zu ändern und aus dem Reißen wurde eine Art gezieltes "Rupfen" von kürzeren Haaren am Oberkopf- die Haare hinten und an der Seite ließ ich in Ruhe. Manchmal fädelte ich auch ein längeres Haar (aber eben nicht mehr HaarE) um den Finger und riss es ruckartig heraus (das ergibt schöne Haarwurzeln...bitte nicht nachmachen!) Diese Prozedur ist völlig schmerzlos und komischerweise wachsen die Haare immer wieder nach, obwohl sie mit der Wurzel ausgerissen worden ist.

Aber zum Glück besitzen Haare eine genetische Information immer wieder nachzuwachsen, falls man nicht an einer androgenetischen Alopezie (Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber Testostoron und dadurch bedingter Haarausfall) oder einer anderen Art des Haarausfalls leidet. Das ist schon sehr beruhigend. Auch epilierte Haare, die man mit der Wurzel ausreißt, wachsen immer wieder nach. Immer.
Ich wollte meine Haare zurück und versuchte, für einige Zeit das Rupfen zu lassen. Und was geschah? Oben tat sich fast nichts! Die Haare verdichteten sich nicht, sie wurden noch nicht einmal länger! Ich beobachtete sogar einzelne Haare.

Nach diversen Arztbesuchen (Hautarzt, Endokrinologe, Haarsprechstunde Uniklinik) stand eine Diagnose fest : Androgenetische Alpezie...angeblich. Vom Trich bemerkte niemand etwas und ich hätte mich auch zu Tode geschämt, etwas davon zu erwähnen! Nur jetzt wollte ich erst Recht meine Haare zurück, obwohl ich diese Diagnose nicht ganz glauben konnte. Ich bekam Ell Cranell (ein Hormon, welches die Überempfindlichkeit von Testostoron herabsetzt) und Regaine 5%. Abwechselnd trage ich es jeden Abend auf. Und ??? MEINE HAARE WACHSEN WIEDER! Hört sich jetzt komisch an, aber ich will mal versuchen, es zu erklären: Minoxidil (Inhaltsstoff von Regaine) ist sehr giftig, so dass ich auf keinen Fall an meinen Finger, geschweige denn im Mund haben will!! Deshalb halte ich nach Auftragen meine Finger von den Haaren fern!! Ich weiß auch nicht, weshalb ich so vernünfig bin... Darüber hinaus stecke ich nach der Behandlung meine Haare aus dem Gesicht, damit keine Strähne ins Gesicht fällt (Regaine kann üble Nebenwirkungen haben : Haare wachsen dort, wo man es aufträgt oder an Hautstellen, mit denen es in Berührung kommt...). Oft ertappe ich mich, in meinen Haaren (aber nur am Oberkopf) leicht an einzelnen Haaren zu reißen, dann greife ich sofort zu meiner Haarspange, denn das erhöht schon die Hemmschwelle.
Auch wer sich oft gedankenlos oder neurotisch getrieben in die Haare greift, sollte das mal ausprobieren! Wenn man dann auf die Spange stößt, muss man sie erstmal entfernen. Bei schweren Trich-Schüben nützt es natürlich wenig, das ist schon klar. Aber manchmal greift man ja zunächst automatisch in die Haare...und dann... :-( :-( :-(

Da ich oft morgens im Bett gerupft habe, ist es durch die Medikamente auf meiner Kopfhaut/in den Haaren inklusive Haarspange schon zu 99% zurückgegangen. Mein Deckhaar vorne/oben wächst. Ich hatte Anfang Juli einen kleinen Rückfall, ich meinte zwar nur an wenigen Tagen ca 10 Haare gerupft zu haben, aber die Haare wurden wieder ein ganz klein wenig lichter und kürzer. Natürlich sieht man immer noch den deutlichen Erfolg. Ich hoffe, dass es bald wieder zugewachsen ist.
Selbst bezeichne ich mich als 99% geheilt. Die langen Haare (seitlich, hinten) habe ich seit 7 Jahren nicht mehr angerührt.

So, das war meine kleine Geschichte. Wer mir schreiben möchte, Fragen oder Anregungen hat, sollte das gerne tun. Ich freue mich sehr! Bin Anfang 30 und wohne in Hamburg.
Vielleicht hat ja auch jemand die Erfahrung gemacht, dass nachwachsende Haare oben/vorne einfach kürzer bleiben, wenn sie nachwachsen? Über Erfahrungsberichte würde ich mich sehr freuen!

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2 Kommentare

  • Kommentar Link peggy Donnerstag, den 24. Mai 2012 um 22:31 Uhr Gepostet von peggy

    Hallo Natea, das ausreissen ist eine Form der Entspannung, als Kind leider unbewusst. Ich habe mit 7 Jahren das erste Mal gerissen und es war für alle erschreckend. Als Kind gibt es erst recht keine Kontrolle. Ich kann aus Erfahrung nur sagen dass außer Verhaltenstherapie nix anderes greifen kann. Je eher dem Problem engegen gewirkt wird, umso besser die Chance dass sich diese blöde Angewohnheit oder Sucht nicht verfestigt. Ich weiß nicht wie alt dein Kind ist, wo Ihr lebt. Anlaufstelle für weitere Kontakte und Hilfen ist Hamburg Elmshorn, die haben auch in der Forschung zum Thema Ahnung. Alles Gute

  • Kommentar Link Christine Heislbetz Samstag, den 12. Mai 2012 um 22:15 Uhr Gepostet von Christine Heislbetz

    Hallo Natea,
    meine Tochter leidet seit ca. 1 1/2 Jahren an Trich. Es ist sehr, sehr schlimm für die ganze Familie. Ich kenne das Haarwasser Ell Cranell. Kann ich es meiner Tochter bedenkenlos auf die Kopfhaut schmieren? Hat es Nebenwirkungen. Hast du sonst noch Tipps gegen das Reißen.
    Herzlichen Dank im voraus

    Christine Heislbetz

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