Samstag, den 26. Februar 2011 um 00:33 Uhr

"Der Weg zu den sieben Schritten" - Lösungsorientiertes Arbeiten in der SHG

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7-Schritte-Seminar

Ein Erfahrungsbericht über lösungsorientiertes Arbeiten in Selbsthilfegruppen von Antonia Peters

Selbsthilfe bedeutet, die eigenen Probleme im Rahmen der eigenen Möglichkeiten aktiv in die Hand zu nehmen. Spontan entschloß ich mich 1997 eine Selbsthilfegruppe zu gründen, nachdem ich auf der Trichotillomanie-Tagung in Hamburg andere Betroffene kennen gelernt hatte.

Die Euphorie und Erwartungen waren bei allen ziemlich groß. Die "Geschichten" der anderen zu hören war erstaunlich und bewegend. Zunächst war es wichtig, uns gut kennen zu lernen, Vertrauen zu schaffen und über Trichotillomanie zu sprechen. Dann probierten wir verschiedene Techniken aus, um mit unseren inneren Anspannungen besser zurecht zu kommen. Unser Spektrum reichte von Entspannungsübungen bis zu "symptomorientierten Übungen" nach Lee Baer. Immer wieder kamen wir an den gleichen Punkt: "Was hindert mich immer wieder daran, meinen Zwang, die Haare auszureißen in seine Schranken zu weisen und mein Leben zu genießen?"

Wir begannen uns im Kreise zu drehen. Bei vielen stellte sich Mutlosigkeit und Frust ein. Schließlich lud ich Monika Holzer in unsere Gruppe ein. Frau Holzer ist Sozialpädagogin und führt schon seit mehr als 10 Jahren Seminare für Selbsthilfegruppen in Hamburg durch. Gemeinsam mit ihr suchten wir nach Wegen, wie wir als Gruppe uns bei der Lösung der eigenen Probleme besser unterstützen können.

Bei diesen Überlegungen kam uns der Gedanke, unsere Gruppe auch aktiv zu nutzen, um unsere Probleme im Alltag besser in den Griff zu bekommen.

Ein Beispiel: Ich möchte neue Leute kennenlernen, aber wegen meiner Zwänge traue ich mich nicht, auf andere zu zugehen. Die Leute in meiner Gruppe haben mir erzählt, wie und wo man Menschen kennenlernen kann. Ich bin ins Schwimmbad gegangen und habe erst einmal nur beobachtet. So habe ich mich immer wieder in kleinen Schritten an mein Ziel heran getastet. Und wenn es gar zu schwierig wurde, haben mich ein oder auch zwei Gruppenmitglieder dabei begleitet. Ohne Scham und Angst konnte ich in der Gruppe über meine Erfolge oder auch Mißerfolge berichten. Immer war ich mir der Unterstützung der andren sicher.

Was hindert mich immer wieder daran, meinen Zwang, die Haare auszureißen in seine Schranken zu weisen und mein Leben zu genießen?

Dieses lösungsorientierte Arbeiten brachte unsere Gruppe wieder in Schwung und trug erheblich dazu bei, dass wir uns auch heute noch treffen und unser Leben mit mehr Spaß und Zuversicht erleben können. Das positive Erlebnis, mal über den Tellerrand geschaut zu haben, sich nicht im Leid der Zwänge zu verstricken, hat mich dazu angeregt, andere Selbsthilfegruppen an unseren Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Das Ergebnis unserer Überlegungen habe ich als "7-Schritte-Programm" zusammengefasst, mit dem ich Selbsthilfegruppen einen Vorschlag machen will, an Lösungen zu arbeiten.

Das Programm beginnt mit einer Traumreise, in der sich jeder Teilnehmer seinen Zwang bildlich vorstellen soll. So kann man z.B. mit dem Zwang ins Gespräch kommen und ihm Fragen stellen, die einen bewegen. Danach sollte jeder ein Bild von seinem Traum und dem Zwang malen und den anderen Teilnehmern vorstellen.

Später stehen die Bewältigung von Alltagsproblemen und die Erfüllung eigener Wünsche im Vordergrund. Mit Unterstützung der ganzen Gruppe wird jeder in die Lage versetzt, das Leben trotz der Zwänge zu genießen und sich Wünsche zu erfüllen.

Am Ende der 7-Schritte gibt es eine gemeinsame Auswertung über die Ergebnisse der Arbeit.

Gerne stelle ich den Selbsthilfegruppen zur Trichotillomanie mein Programm in einem Wochenendseminar vor. Einzige Voraussetzung ist, dass mindestens 10 Teilnehmer zusammen kommen. Bei Interesse und Fragen stehe ich gerne telefonisch unter (040) 200 61 39 abends zur Verfügung.

7-Schritte-Seminar

  1. Visualisierung meines Zwangs: Kleine Traumreise zu meiner Erkrankung; wie sieht mein Zwang aus, wie fühlt er sich an, ist er Freund oder Feind ? Nach der Traumreise den Zwang bildlich darstellen lassen.
  2. Bild von meinem Zwang malen: Jeder stellt ausführlich sein Bild und seine Geschichte vor. Arbeiteten an der eigenen Geschichte mit Hilfe der anderen Gruppenteilnehmer.
  3. Information zur Erkrankung Trichotillomanie: Was weiß die Forschung heute über unsere Erkrankung, welche Möglichkeiten der Therapie gibt es? Jeder Teilnehmer erhält umfangreiches Informationsmaterial zur Zwangserkrankung.
  4. An Lösungen arbeiten:
    • Was soll in meinem Leben so bleiben wie es ist ?
    • Welche Fähigkeiten besitze ich schon ?
    • Welche Unterstützer standen mir bei ?
    • Was möchte ich verändern ?
    • Bringen Sie Ihre Wünsche in eine Rangfolge
    • Was benötigen Sie zur Umsetzung Ihrer Wünsche und Ziele ?
    • Welche Fähigkeiten müssen Sie reaktivieren ?
    • Von wem brauchen / möchten Sie Unterstützung ?
    • Strategie der kleinen Schritte
    • Was können Sie in dieser Woche, in diesem Monat tun ?
    • Wie können Sie sich bei Erfolg selbst belohnen ?
  5. Was möchte ich jetzt für mich tun ? Meine ganz persönliche "Lösung" kann sein, dass ich etwas für mich tun möchte, wie z.B. Yoga oder Tai-Chi oder doch eine Verhaltenstherapie. Verschiedene Adressen werden untereinander ausgetauscht. Was muß ich tun, um eine Therapie zu beginnen ?
  6. Was hat mir dieses Seminar gebracht ? Was war gut, was war nicht geeignet. Die Anregungen stellen wir in einer Collage dar.
  7. Verabschiedung: Wie soll es jetzt für uns weitergehen ? Wollen wir uns weiterhin als Gruppe treffen, wie oft und wo ? Wollen wir auseinandergehen und uns dann alle 4 Wochen zum Stammtisch treffen ? Entscheidungen über das weitere, treffen die Teilnehmer.

A. Peters / M. Holzer

Zuletzt geändert am: Montag, den 25. Juli 2011 um 10:15 Uhr

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