Meine Erfahrungen mit Trich

Eigentlich weiß ich gar nicht, wann genau ich mit dem Haareausreißen überhaupt angefangen habe.
Es müsste ungefähr vor 2-3 Jahren gewesen sein, aber da bin ich mir wie gesagt nicht sicher.
Ich weiß nur, dass ich zu dieser Zeit besonders unglücklich war. Meine Eltern stritten sich damals extrem (taten sie schon immer oft, doch eben nicht so krass), ich verlor viele Freundinnen wegen irgendwelchen Gründen, wurde unglücklich und zog mich von allem und jedem zurück. Auch hatte ich nur noch Misserfolge und keinen Spaß mehr in meinem Sportverein und auch meine Noten gingen den Bach hinunter, meistens um zwei Zensuren besonders im mündlichen Bereich.

Ich konnte nicht über mich und meine Probleme reden, sondern hörte mir stattdessen die Sorgen von anderen Leuten an.
Auch heute noch fällt es mir schwer, anderen Leuten gegenüber offen zu sein.

Dann kam es, dass ich immer mehr Anmerkungen zu meinem Aussehen bekam, so auch als ich zum ersten Mal einen Freund bekam: "Mein Gott, wie kann der nur so ne hässliche nehmen?! Und erst die Haare." Meine Haare waren schon immer sehr dünn gewesen, aber nachdem der Typ dann 5 Tage danach Schluss machte, hasste ich sie noch mehr...

Ich konnte mich irgendwie nicht mehr aufraffen, irgendetwas zu tun. Zum Glück hatte ich noch meine Lieblingsgruppe und meine Gedichte, die ich in dieser zeit anfing zu schreiben. Ich glaube, wenn es diese zwei Sachen nicht gegeben hätte, hätte ich damals Selbstmord begangen.

Irgendwann fing ich dann mit dem Haareausreißen an, aber richtig bewusst wurde es mir erst, als ich Beiträge zu diesem Thema im Internet las, auch dass es eine Krankheit ist.
Als erstes dachte ich: "Nee, du bist doch nicht krank", aber schon bald merkte ich, dass ich die Finger nicht mehr davon lassen konnte und es immer schlimmer wurde.

Meine Mutter beschwerte sich darüber, dass sie jetzt mehr putzen müsste und mein Bruder fasst mich bis jetzt immer noch nicht an, weil er mich für geisteskrank hält und sich vor mir ekelt.
Manche Leute sahen es und sprachen mich darauf an, wenn sie die kahlen Stellen oder das Reißen sahen, doch ich konnte sie immer gut mit Ausreden abspeisen.

Ich sehnte mich in dieser Zeit besonders nach meiner besten Freundin, die vor 4 Jahren in die Staaten zog und die nie da sein konnte als ich sie brauchte. Auch Verständnis oder Geborgenheit bekommt man nie, die man eigentlich so dringend braucht.

Christine

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