Birgits Geschichte

Ich bin Birgit, 24 und reiße seit ca. 10 Jahre, so genau weiß ich das nicht.

Zu ersten Mal ist es mir aufgefallen, als ich für´s Abi gelernt habe und plötzlich ein Berg von Haaren neben meinem Schreibtisch lag. Ich wußte auch nicht, daß es sich um eine Krankheit (ich benutze dieses Wort nicht gerne) handelt, bis ich einen Beitrag in der "Brigitte" gelesen habe. (An anderer Stelle, ich glaube, es war in der "Amica" wurde dann das Ganze wieder heruntergespielt und ich war völlig verunsichert.)

Ich reiße hauptsächlich in Streßsituationen, vor Klausuren z.B., oder aus Langeweile (?), z.B., wenn ich länger Auto fahren muß. Das hat aber glaube ich auch immer was mit dem Zweck der Autofahrt zu tun.

Meine Familie weiß nichts davon, man kann es auch eigentlich nicht sehen, meine Mutter hat nur ein paar Mal Andeutungen gemacht, ist aber auch schon länger her. Zum ersten Mal habe ich es vor einigen Wochen meinem Freund erzählt, sonst habe ich noch mit niemandem gesprochen. Ich weiß auch nicht, ob ich das jemals tun will, ich habe Angst, daß es sich hochschaukelt. Das Gespräch mit ihm hat kurzfristig Erleichterung gebracht, aber ich hatte mehr erwartet. So, jetzt habe ich darüber gesprochen und jetzt kann ich aufhören." So oder so ähnlich.

Mich nervt es, daß ich nicht aufhören kann, aber es gibt ja auch Phasen, in denen ich tagelang nicht reiße. Ich frage mich, ob ich eine mangelnde Selbstbeherrschung habe. Ich weiß ja, in welchen Situationen ich nicht reiße (z.B. bei körperlicher Aktivität, hat schon mal jemand versucht, sich beim Fahrradfahren oder Schwimen Haare auszureißen?). Aber manchmal läßt es sich eben nicht vermeiden, daß man herumsitzt (z.B. beim Lernen oder in Vorlesungen oder Familienfeiern oder...)

Das ist auch die einzige Lösung, die ich im Moment kenne: AKTIVITÄT! Und bei Wimpernreißern: WIMPERNTUSCHE! Nur bei Brauen- und Kopfhaarreißern ist mir noch nicht sonderlich viel eingefallen. Vielleicht abrasieren, aber das kann es ja auch nicht sein.

Vielen Dank schon mal, ich wollte schon seit langer Zeit schreiben, das tut irgendwie doch ganz gut.
Birgit

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