Man kann eigentlich auch ganz gut mit Trich leben
Heute dachte ich, ich wolle mal wieder schauen, was bei den Trichies so läuft und selber mal was beitragen, da ich jetzt schon viele Monate die Sache total locker im Griff.
Ich möchte dir einfach mal meine Geschichte erzählen. Ich hatte Trich etwa seit ich 11 oder 12 war, jetzt bin ich übrigens 45. Diese vielen Jahre hat sie mich immer mehr oder weniger begleitet, es war nie ganz schlimm, aber mindestens eine Friseuse fragte mich mal, warum ich denn so eine kahle Stelle am Hinterkopf hätte... Ich glaub, ich war sogar einige Jahre praktisch reissfrei, aber eben nie ganz.
Vor etwa 4 Jahren war ich mit einem Mal wieder in einer Phase, wo ich plötzlich an allen möglichen Stellen am Kopf zu reissen anfing und als mir die Sache dann doch zuviel wurde, ich mich plötzlich als völlig nervös und unruhig wahrnahm, kam mir der Gedanke, dass es über das Reissen vielleicht was im Internet gäbe. Ich fand dann zu meinem Erstaunen und zur grossen Erleichterung, nicht allein zu sein, diese vielen Sites.
Zuerst dachte ich, dass es mit der Erleichterung getan sei, aber leider hatte sich mit dem Reissen an und für sich gar nichts getan. Immer wieder dasselbe... Aber eben doch nicht ganz, da ich via Internet nun die Erfahrungen anderer hatte, was mich unheimlich zum Denken anregte.
Dann kam ein Tag, an dem ich zu mir selber sagte: Reissen kann ich, wenn ich will. Nicht reissen kann ich auch, wenn ich will. Das heisst, ich merkte, dass ich diese Freiheit habe. Ich kann reissen und das ist völlig ok. Natürlich sind die Folgen des Reissens nicht angenehm, aber seit ich mir selber die Freiheit gab, zu reissen, wenn ich spürte, dass ich den Drang hatte, hat sich der Drang langsam aber sicher völlig aufgelöst. Ich spiele manchmal mit den Haaren herum und denke dabei, wie war es denn, wenn ich riss? Wie wäre es jetzt? Mag ich reissen? Oder kann ich es auch lassen? Ist das Reissen wirklich die einzige Freude, die ich im Leben habe?
Ich merkte auch, dass ich vor allem riss, wenn ich las. Dann dachte ich mir, war das nicht etwa auch so mit dem Rauchen, mit dem ich vor mehr als 20 Jahren von einem Tag auf den anderen aufhörte? Rauchte ich nicht auch immer in denselben, bestimmten Situationen? Hatte sich die Trich nicht auch auf diese Art verselbständigt? Wie wenn Lesen und Reissen zusammen gehörten?
Liebe unbekannte Freundin, meine Haare sind jetzt wieder dicht und gleichmässig. Ich freü mich an den vielen Haaren, die auch jetzt, nach mehr als 8 Monaten, immer noch zu spriessen anfangen. Nicht, dass sich mein Leben wegen dichterer Haare verändert hätte (mein Mann und alle seine Brüder haben Haarausfall und mehr oder weniger starke Glatzen...ich nehme nicht an, dass sie Trich haben, aber sie leben auch gut und zufrieden mit viel weniger Haaren, als ich je hatte!) Aber ganz sicher ist es ein viel besseres Leben, wenn ich mit der Trich sozusagen gut "verheiratet" bin, sie ist immer bei mir, aber sie zwingt mich nicht, zu tun, was sie will.
Die Trich ist keine Feindin, aber sie ist eine ganz strenge Meisterin, die uns zum selber-Denken "zwingen" will, was meinst du dazu?
Ich lebe jetzt in Südamerika, aber via Internet sind wir uns ja immer nah. Hier hat es übrigens auch Sites und Foren zu diesem Thema, es ist gar kein Problem nur der spröden Nordlichter!
Ich grüsse dich ganz herzlich!
Marcela
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28/12/2004
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