Wer ich bin
Ich möchte mich kurz vorstellen. Ich bin Steph, geboren 1982 und
Betreiberin dieser Seite. Ich habe diese Page 2000 ins Leben gerufen,
kurz nachdem ich erfahren habe, dass ich seit ich elf bin an einer
Krankheit namens Trichotillomanie leide. Ich hatte damals ein großes
Mitteilungsbedürfnis, nach dem jahrelangen Schweigen, verstecken
und Lügen endlich damit ein Stück weit rauszurücken. Im einigermaßen
anonymen Internet sah ich die Möglichkeit dazu, mich mit anderen
auszutauschen, die das gleiche mitgemacht haben.
Nun, wie viele andere gibt es bei mir auch einen triftigen Grund,
warum ich mir meine Haare ausreiße. Meine Kindheit war durch sehr
viel Stress zwischen meinen Eltern geprägt, und ich denke an manche
Szenen immer noch mit großer Angst zurück. Angst spielt eine große
Rolle bei dieser Krankheit. Auf
jeden Fall bin ich davon überzeugt, dass JEDER Betroffene einen guten Grund
dafür hat, sich die Haare auszureißen. Es gibt immer eine Ursache. Bei mir war es eben
Angst, verlassen zu werden, Angst vor lautem Geschrei, Angst wegen
allem möglichen. Noch heute kann ich lautes Schreien nicht ausstehen,
es macht mich aggressiv. Meine Therapeutin in einer Klinik meinte
einmal, dass der Zustand daheim damals wohl wirklich "zum Haareraufen" gewesen
sein muss.
Warum es ausgerechnet Haarereißen sein muss, weiß ich nicht. Ich
weiß nur, dass meine langen, blonden und gewellten Haare mein ganzer
Stolz waren, bevor ich anfing sie mir auszureißen. Im Verlauf der
Krankheit veränderte sich das Verhaltensmuster. Zu Beginn riss
ich die Haare bloß immer in der Mitte durch, so dass nur noch kurze
Strähnen abstanden und es sah einfach grauenvoll aus. Beim Friseur
erklärte ich, ich sei an einem Ast beim Reiten hängengeblieben.
Später benutzte ich Kappen und Mützen, um die kahlen Stellen abzudecken.
Ständige Angst vor dem Herunterreißen meiner Kopfbedeckung erschwerte
mir auch den Gang zur Schule. Ich trug auch Kopftücher, weil sie
gerade in Mode waren und ich so meine eigentlichen Gründe geschickt
umgehen konnte.
Mein "Schaden" rührt rein vom Seelischen her, körperlich musste
ich nie irgendetwas erleiden. Doch ich glaube seelisch zu verkrüppeln
reicht...da haben wir ihn wieder den Galgenhumor...auch so eine
Sache die ich mir im Laufe meiner Krankheit angeeignet habe ;)
Ich möchte mit dieser Page all denjenigen Mut machen, die denken
sie seien der letzte Dreck auf Erden, ein Nichts, abartig oder wertlos. Es gibt sogar welche,
die glauben, bloß weil sie krank sind, sind sie geistig behindert
oder zurückgeblieben. All das hab ich schon gehört und gelesen
und es erschreckt mich! Deswegen bin ich aktiv geworden, um anderen
zu zeigen, hey ihr SEID in Ordnung, keiner kann Euch erzählen,
Ihr seid bescheuert, bekloppt, verrückt, dumm oder behindert, nur
weil ihr wegen einer ganz bestimmten Ursache krank geworden seid
und ein Symptom aufzeigt. Denn das ist Trich: ein Symptom, um zu
zeigen, dass etwas im "System" nicht stimmt. Dass etwas aus den
Fugen geraten ist, nicht in Ordnung ist, und etwas getan werden
muss. Das bedeutet aber nicht, dass Ihr verrückt seid. Und das möchte
ich Euch klar machen mit dieser Page. Das einzige, was Ihr braucht
um wieder gesund zu werden ist das: Hilfe. Und mit dieser Homepage
ist schonmal der erste Schritt getan, hoffe ich.
Bei Trich geht es nicht nur um die Umstellung des Verhaltens,
meiner Meinung nach gilt es viel mehr, sich selbst gesund zu machen,
unabhängig ob das Symptom selbst verschwindet oder nicht. Ich möchte,
dass ich morgens aufwache und mich einfach nur gutfühlen kann, weil
ich mich ok finde. Dass ich mich im Spiegel anschaue und mich trotzdem
anlächeln kann, dass ich auf Menschen zugehen kann, offen sein
kann, ohne diese Angst, nicht akzeptiert zu werden, weil ich krank
bin und man es leider auch sieht. Ohne den Alltag, in dem diese
Krankheit mein Leben diktiert. Die Priorität ist ganz klar das
Gesund-Werden. Ich hoffe, dass sich damit gleichzeitig die Trich
auch erledigen wird, wenn ich seelisch wieder intakt bin.
Ich fand es wichtig, so viel Interaktion wie möglich auf der Page
zu haben, so dass Betroffene sich beteiligen können. Damit sie
ein bisschen aktiver werden, als sie es vielleicht waren oder sind.
So dass sie sich darum kümmern, VORAN zu kommen mit sich und ihrer
Krankheit. Ich habe in den letzten jahren sehr viele tolle Menschen
kennengelernt durch die Arbeit an der Seite. Ich bin froh,
dass ich die Chance gekriegt habe, sehr vieles zu lernen. Es nervt, es tut
weh sich selbst so zu sehen, es ist hart. Aber ist das der Weltuntergang,
ohne Haare zu leben? Ich hab ja auch noch Haare, aber eben kurz
und geschoren und trage eine Perücke seit ich 19 bin. Ich kann
damit leben. Auch wenn ich es nicht mehr will und mich einer Therapie
unterziehen werde. Das klingt aber unfreiwillig...;-) nein ich
möchte wirklich endlich "ran an den Speck", und herausfinden wie
es in meinem Innersten aussieht, und was ich tun muss, um da wieder
gesund rauszukommen. Es ist eine harte Arbeit und ein langer Weg,
aber ich denke es lohnt sich auf jeden Fall.
Lasst Euch nicht unterkriegen. Auch wenn ich Euch nicht kenne,
eines weiß ich: die Menschen mit Trich die ich kennenlernen durfte
sind alles wundervolle und liebenswerte Menschen, die es nicht
verdient haben, sich selbst so herunterzumachen. Und ich bin auch
mehr wert, als dass ich mich von morgens bis abends daran erinnern
muss, herrje bist du aber unfähig und bescheuert. Das sind wir
alle nicht! Bitte schaut Euch auf der Page um und lasst sie einen
Ort der Zuversicht und Hoffnung werden. Ich für meinen Teil werde
alles dafür tun, um Euch das Gefühl zu geben, am richtigen Ort
zu sein :-)
In diesem Sinne, passt auf Euch auf!
Eure
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