Wissenswertes Behandlungsmethoden
Allgemeines
 
 

Zurück

Die Haare

Viele Betroffene quält die ständige Frage, ob sie sich mit dem Ausreißen der Haare die Chance auf ein gesundes Nachwachsen der Haare für den Rest ihres Lebens nehmen. Um jedoch diese Frage ausreichend beantworten zu können, soll zuerst einmal der Aufbau der Haare und die jeweiligen Wachstumsphasen erläutert werden. Im Anschluss daran befindet sich eine Auflistung von sogenannten „Märchen“ und „Fakten“ zum Nachwachsen der Haare.

Aufbau der Haare

Haare gehören , wie die Nägel, zu den Hautanhangsgebilden. Das menschliche Haar besteht aus dem Haarschaft, der Haarwurzel und der Haarzwiebel (Bulbus). Der Haarschaft ist derjenige Teil, der aus der Haut herausragt.

Ein wachsendes Haar (Anagenhaar) ist tief in die Haut eingesenkt und reicht mit seinem untersten Abschnitt, dem zwiebelförmig verdickten Haarbulbus, bis an die Grenze von Lederhaut und Fettgewebe. Zusätzlich wird jedes einzelne Haar von einem Muskel umfasst und von Nervenfasern umsponnen. Die Nervenfasern sind sehr fein, sie registrieren auch kleinste Berührungen, wie z. B. einen Luftzug.

Der aus glatter Muskulatur bestehende Muskelzug (Haarbalgmuskel) zieht von der umgebenden Lederhaut an den Haarfollikel heran und führt bei seiner Anspannung zur Aufrichtung des Haarschaftes (Gänsehaut).
Im Winkel zwischen Haar und Haarbalgmuskel ist eine aus mehreren kleinen Drüsenläppchen aufgebaute Talgdrüse eingelagert. Der Talg (Sebum) hält das Haar und die oberste Schicht der Haut, die Hornschicht, geschmeidig. Haar und Talgdrüse werden zu einer funktionellen Einheit, der Haartalgdrüseneinheit, zusammengefasst.

Der von der Hautoberfläche bis zum tiefsten Punkt des Bulbus reichende Abschnitt des Haares wird als Haarwurzel bezeichnet. Der Bulbus enthält die aus Bindegewebe, feinsten Blutgefäßen und Nervenfasern aufgebaute Haarpapille, die wichtige Aufgaben in der Ernährung des Haares erfüllt.

Die unmittelbar an die Papille grenzende, ihr kappenförmig aufsitzende Zellschicht ist die Haarmatrix, die die eigentliche Bildungszone des Haarschaftes darstellt.
Wie andere Gewebe mit schnellem Zellumsatz (z. B. Blutbildung im Knochenmark) reagiert auch die Haarmatrix äußerst empfindlich auf äußere Störfaktoren wie z. B. Arzneimittel. Die neugebildeten Zellen der Haarmatrix steigen in Richtung Hautoberfläche auf, strecken sich dabei spindelförmig und formieren sich zum Haarschaft. Zunächst ist der Haarschaft noch plastisch verformbar, durch zunehmende Verhornung kommt es im weiteren Verlauf jedoch zu seiner Verfestigung.

Der Haarschaft selbst ist aus drei Zonen aufgebaut: dem Haarmark (Medulla), der Rindenzone (Cortex) sowie der äußersten Schüppchenschicht (Cuticula), die mit der inneren Wurzelscheide innig verzahnt und damit fest verankert ist.

Die innere Wurzelscheide wird von der äußeren Wurzelscheide umschlossen, die aus Bindegewebsfasern (unter anderem Kollagenfasern) besteht und kontinuierlich in die umgebende Lederhaut übergeht.

So wird eine feste Verankerung der Haarwurzel in der Haut gewährleistet.


Haarwachstum

Die Entwicklung und das Wachstum der Haare ist genetisch und hormonell bedingt. Das Haarwachstum erfolgt nicht kontinuierlich, sondern in jedem Follikel wechseln sich Phasen der Haarbildung, der Ruhe und der Rückbildung in rhythmischer Folge ab. Diese Rhythmik wird als Haarzyklus bezeichnet. Jeder Follikel folgt einem ihm eigenen Haarzyklus. Dieser ist gegenüber den Haarzyklen der benachbarten Follikel zeitlich versetzt: Die Haarproduktion erfolgt somit asynchron. Dieses Verhalten ermöglicht einen gleichmäßigen Haarbestand des Menschen, es kommt nicht zu einer "Mauser", wie dies im Tierreich zu beobachten ist.

Phasenfolge Nomenklatur Phasenzustand Phasendauer Verteilung
1. Phase Anagen Wachstumsphase 2-6 Jahre bis 90%
2. Phase Katagen Übergangsphase 2 Wochen bis 3 %
3. Phase Telogen Ruhephase 2-4 Monate bis 18%

Ein Haarzyklus besteht aus drei Phasen, die sich ständig wiederholen:

1. Die Wachstumsphase oder Anagenphase

Die Zellen der Haarmatrix eines wachsenden Haares zeigen eine hohe Stoffwechselleistung und Zellteilungsaktivität. Die Teilungsgeschwindigkeit der Haarmatrixzellen ist etwa fünfmal so hoch wie diejenige normaler Hautzellen. Der stetige Zellnachschub ist für die ständige Neubildung der Haarsubstanz, dem Keratin erforderlich. Die durchschnittliche Wachstumsgeschwindigkeit eines Anagenhaares beträgt 0,35 mm/Tag oder ca. 1 cm/Monat. Bei ca. 80.000 Kopfhaaren werden somit täglich 25 - 30 Meter Haar und pro Monat etwa 800 Meter Haar neu gebildet. Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll die intensive Stoffwechselaktivität der Haarmatrixzellen.

Die Dauer der Anagenphase ist erblich vorgegeben und beträgt 2 - 6 Jahre, ggf. 8 Jahre und länger. Bei einem Wachstum von ca. 1 cm/Monat bzw. ca. 12 cm/Jahr kann demnach der einzelne Haarschaft eine Länge von 25 cm (2 Jahre) bis 75 cm (6 Jahre) erreichen.

Die für einen Menschen maximal erreichbare Haarlänge hängt also in erster Linie von seiner erblich vorgegebenen Wachstumsphasendauer ab. Auch bei sorgfältigster Pflege können sie somit niemals "endlos" lang werden.

Wie alle sich schnell teilenden Gewebe (z. B. Blutbildung im Knochenmark) reagieren die Matrixzellen sehr empfindlich auf Stoffwechselstörungen aller Art. Bei einer Störung der Haarmatrix kommt es zur Hemmung des Eiweißaufbaus und zum Absinken der Zellteilungsgeschwindigkeit. Das Kaliber des Haarschaftes und die Haarwachstumsgeschwindigkeit nehmen dabei ab. Erholt sich die Matrix nach einer kurzfristigen Störung, so zeigt der Haarschaft lediglich eine Schnürfurche, dauert die Störung länger an, so nimmt das Haarkaliber stetig ab bei gleichzeitig qualitativ minderwertiger neugebildeter Haarsubstanz. Schließlich erfolgt ein Abbrechen des Haarschaftes.
Wird die Haarmatrix in der Anagenphase einer geringgradigen Störung ausgesetzt, so tritt das Haar vorzeitig aus der Wachstums- in die Übergangsphase über, der Haarzyklus verläuft somit abgekürzt.

2. Die Übergangsphase oder Katagenphase

Nach Ablauf der Wachstumsphase kommt es innerhalb eines Zeitraumes von 1 - 2 Wochen zu Umbauvorgängen in der Haarwurzel. Die Haarmatrix bildet sich zurück, die äußere Wurzelscheide schließt sich im unteren Abschnitt und bildet einen Haarkanal. Dieser umschließt die beginnende kolbenförmige Auftreibung des unteren Haarschaftes. Das Haar wird in Richtung Kopfhautoberfläche verschoben.

3. Die Ruhephase oder Telogenphase

Am unteren Pol des Haarschaftes bildet sich ein Kolben aus vollständig verhornten Zellen. Dieses sog. Kolbenhaar steigt im Follikelkanal bis unterhalb der Talgdrüsenmündung hoch, wo es durch eine Kapsel aus teilweise verhornten Zellen der äußeren Wurzelscheide verankert wird. In einem Zeitraum von 2 - 4 Monaten wird diese zunächst feste Kapsel zunehmend verdünnt, so dass die Verhaftung des Haarkolbens im Follikelkanal immer lockerer wird. Schließlich wird das Telogenhaar durch leichte mechanische Einflüsse wie Kämmen, Bürsten, Haarwäsche usw. aus der Kopfhaut herausgelöst oder durch das nachwachsende Haar des folgenden Zyklus aus dem Follikelkanal herausgeschoben. Das neue Haar wächst aus derselben Haarwurzel nach. In jeder Haarwurzel kann 10 bis 12 mal ein Haar nachwachsen.

Während der Ruhephase ist der Haarschaft bereits vollständig verhornt, ein Stoffwechsel findet nicht mehr statt, daher die Bezeichnung "Ruhephase". Während dieser Zeit kann das Haar durch äußere Einflüsse wie z. B. Ernährung, Zufuhr von Eiweiß, Vitaminen, Spurenelementen oder durch Aufnahme von Arzneimitteln nicht mehr beeinflusst werden.

Die Anzahl der normalerweise ausfallenden Kolbenhaare beträgt ca. 60 - 80, maximal 100 Haare pro Tag. Durch eine Haarwäsche kann diese Zahl übertroffen werden, in den Tagen nach einer Haarwäsche liegt diese Zahl deutlich niedriger.
Die unterschiedlich lange Dauer der Haarphasen spiegelt sich wider in der unterschiedlichen prozentualen Verteilung dieser Haarformen. Von den ca. 80.000 - 100.000 Kopfhaaren befinden sich 85 - 90% in der Wachstumsphase, 1 - 3% in der Übergangs- und im Mittel 12 - 15% in der Ruhephase. Werden im Rahmen der mikroskopischen Haaruntersuchung (Trichogramm) Haare ausgezogen, kann man an der Struktur der Wurzelanteile der Haare erkennen, in welcher Phase des Haarzyklus das betreffende Haar sich gerade befindet. Das Trichogramm lässt somit wertvolle Rückschlüsse auf den Ablauf des Haarzyklus zu. Ein in normaler Geschwindigkeit ablaufender Haarzyklus kann von einem krankhaft beschleunigten Haarzyklus unterschieden werden.

Die Lebensspanne eines Haares kann sehr unterschiedlich sein. Am kürzesten ist sie bei Männern, die zu vermehrtem Haarausfall neigen.
Den normalen Ablauf eines Haarzyklus bezeichnet man als Haarwechsel. Demgegenüber liegt ein krankhafter Befund vor, wenn die Rate ausfallender Haare erhöht ist (mehr als 100 Haare pro Tag). Dieser Vorgang wird Haarausfall (Effluvium) genannt. Resultiert hieraus eine sichtbare Kahlheit, so wird sie als Alopezie bezeichnet. Normaler Haarwechsel und krankhafter Haarausfall müssen begrifflich sorgfältig getrennt werden.

Haarfarbe

Die individuelle Haarfarbe entsteht durch den ebenfalls individuellen Melaningehalt des Haares. Die Haarfarbe ist genetisch bedingt. Der Farbstoff Melanin wird in den Melanozyten produziert, die sich in den Haarfollikeln befinden. Verschiedene Typen von Melanin können hergestellt werden, so dass unterschiedliche Farbvariationen möglich werden. Wenn die Produktion von Melanin nachlässt, meist im Alter, werden die Haare grau. Statt dem Farbstoff Melanin werden nun mehr Luftbläschen eingelagert.

Bei Trichotillomanie kann es auch vorkommen, dass Haare grau oder sogar weiß nachwachsen. Hier sind die Follikel nicht altersbedingt, sondern durch das ständige Rupfen beschädigt worden und können nicht mehr richtig Farbpigmente produzieren. Nach einiger Zeit normalisiert sich dies erfahrungsgemäß meist wieder.

Haartypen

In Abhängigkeit von Lebensalter und Körperstellen lassen sich drei verschiedenartig aufgebaute Haartypen unterscheiden:

Lanugohaar ist das Körperhaar des Feten im Mutterleib, welches nach der Geburt durch Vellus- und z. T. auch sofort durch Terminalhaar ersetzt wird. Es ist unpigmentiert, kurz, weich und besitzt kein Haarmark.
Vellushaar (Wollhaar) ist ebenfalls kurz, dünn und größtenteils marklos und unpigmentiert. Es bildet die allgemeine Körperbehaarung bis zur Pubertät und z. T. auch darüber hinaus.
Terminalhaar ist dick, lang und meist markhaltig und je nach individueller Haarfarbe auch pigmentiert. Die Kopfbehaarung, die Wimpern und die Augenbrauen bestehen bereits bei Geburt aus Terminalhaar. Am Körper wird das Vellushaar beim Mann mit Beginn der Pubertät zu etwa 90% Schritt für Schritt durch Terminalhaar ersetzt, bei der Frau sind es hingegen nur ca. 35%.

Die beiden zuletzt genannten Haartypen sind nicht immer genau voneinander zu unterscheiden, darüber hinaus gibt es auch eine Übergangsform, sogenanntes Intermediärhaar. Ein Haarfollikel kann im Laufe seines Lebens verschiedene Haartypen bilden. Am deutlichsten wird dies in den Achselhöhlen und im Genitalbereich, wo Vellushaare in der Pubertät durch den Einfluss der Sexualhormone in Terminalhaare umgewandelt werden. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich, so kann beispielsweise beim anlagebedingten Haarausfall am Kopf eine allmähliche Rückbildung von Terminalhaar zu Vellushaar erfolgen.

Quelle: Harrerkrankungen.de, Februar 2005, mit freundlicher Genehmigung von Dr. Jens Meyer


Wann wächst das Haar bei Trichotillomanie noch nach, wann nicht mehr?

Dies ist die wahrscheinlich am häufigsten gestellte Frage von Betroffenen, und wahrscheinlich, neben anderen Dingen, die größte Sorge. Aber wie oft kann man sich denn ein Haar ausreißen, bis es nicht mehr nachwächst?
Dieser Frage soll im nächsten Abschnitt näher nachgegangen werden. Die Informationen dazu bezog ich aus den amerikanischen Trichotillomanie-Seiten und aus dem Netz. Ich kann allerdings nicht für diese Informationen garantieren, ich hoffe Ihr versteht das.
Im Folgenden werdet Ihr einen Bericht lesen, der von Amanda's Trich Pages (Amerika) stammt und geschickt wurde er von einer Betroffenen, die an einer Trich-Konferenz teilgenommen hatte. Die folgenden Informationen sind die neuesten News, die ich Euch präsentieren kann. Bei Neuigkeiten werdet Ihr sie hier finden.
Das Wichtigste Fazit schon einmal vorab:

Das Nachwachsen der Haare ist grundsätzlich möglich!

" Beim TLC-Treffen sprach Frau Dr. Novak auch über die Biologie des Haares. Sie gab uns jede Menge interessanter Informationen zur Haarbiologie. Außerdem kam dabei heraus, dass durchaus die MEISTEN Leute die Kapazität für neues Haarwachstum haben, auch nach jahrelangem Haareausreißen. Die meisten Trich-Betroffenen, die glauben, ihre Haare wachsen nicht mehr nach, denken das deshalb, weil ihre Erholungsphase noch nicht lange genug angedauert hat. Also denken sie, dass sich die Lücken niemals wieder schließen werden. Die Folge davon ist: Sie machen mit dem Haareausreißen weiter. Nach Angaben von Frau Dr. Novak hat die größte Prozentzahl der Betroffenen ihre Follikel noch gar nicht so sehr zerstört, als dass sie nicht mehr nachwachsen könnten - genug Zeit vorausgesetzt.

Eine wichtige Erfahrung für mich war, all die erfolgreichen Trich-Betroffenen bei dem Treffen zu sehen, die teilweise schon mehr als 20 Jahre gerissen hatten, 10 Jahre lang aufgehört hatten mit dem Reißen und ALLE ihre Haare wieder hatten! Ich habe sie persönlich getroffen und sah ihre wunderschönen Haare!

Dieser dünne Flaum, der einen an Pfirsichflaum erinnert, ist ein sehr gutes Zeichen, weil es bedeutet, dass das Follikel noch aktiv ist! Es bedeutet außerdem, dass es zeitweise traumatisiert ist, d.h. sich in einer Heilungsphase befindet. Der Pfirsichflaum ist ein Vorbote des normalen Haars, wie bei Babys.
Gekräuseltes Haar ist auch ein tolles Zeichen, weil es ebenso bedeutet, dass die Follikel noch leben und arbeiten! Ebenso wie beim Pfirsichflaum bedeutet es aber auch, dass das Follikel traumatisiert ist und der Heilung bedarf. Es dauert sehr lange, bis sich diese Art Haar wieder normalisiert. Ich habe fast Haare bis zur Taille, und wegen dem Reißen habe ich teilweise Haare, die mindestens erst mal 6 Inches gekräuselt waren, bis sie wieder gerade wuchsen.

Also, es sollte klar sein, dass es sich hierbei um keinen Vorgang handelt, der über Nacht passiert. Ausgerechnet die gekräuselten Haare auszureißen ist in der Tat ein großer Fehler, weil man sie mit jedem Mal ein wenig mehr gekräuselt macht, und das Follikel jedes Mal aufs Neue traumatisiert wird. Also wird es auch länger dauern, bis sich die Haarstruktur wieder normalisiert. Es ist sogar möglich, aber nicht wahrscheinlich, dass gekräuseltes Haar so bleibt. Mit anderen Worten, bei den meisten Leuten, die gekräuselte Haare bei sich beobachten, wachsen sie nach einiger Zeit wieder normal, d. h. glatt und gerade. Und das mit der Zeit ist genau unser Problem. Wenn das Haar weiß nachwächst, kann es sich auch nach einiger Zeit wieder normalisieren. Dass es farbloser nachwächst bedeutet, dass die Melanozytenproduktion traumatisiert ist. Nach einer Weile kann wieder neues Melanin produziert werden. Natürlich spielt in diesem Zusammenhang das Alter auch eine große Rolle.
Ich habe auch Erfahrung damit gemacht. Ein Teil meiner Haare wachsen erst mal 1 Inch und sind grau, bevor sie wieder normal weiterwachsen. Ein kleiner Prozentsatz von Leuten könnte permanenten Farbverlust erleben, für gewöhnlich ältere Leute, die näher am normalen Ergrauungsalter sind.

Märchen vs Fakten

Märchen: Diejenigen, die die Wurzel ausreißen, schädigen ihre Haare mehr als die "anderen" Trich-Betroffenen.
Märchen: Wenn man reißt und das „weiße Ding“ am Ende bekommt, wird man sein Haar an diesen Stellen nicht wiederbekommen oder es ist unwahrscheinlicher, es wieder zu bekommen.
Märchen: Wenn man Blut oder andere Stoffe am Haarende bei der Wurzel sieht, heißt das, dass man sein Haar nicht wiederbekommt.

Fakt: Wenn das Haar rauskommt, ist es raus, und zwar immer mit Wurzel, egal, was noch daran zu sehen ist.
Fakt: Es macht auch nichts, dass dies so ist, denn die alte Wurzel ist für neues Wachstum gar nicht verantwortlich!
Fakt: Die Mehrheit der Menschen hat die Fähigkeit, neues Wachstum zu haben.
Fakt: SEHR WICHTIG! Was man sieht oder nicht sieht am Ende vom Haar, hat keinen Effekt auf die Möglichkeit neuen Wachstums. Es ist kein Zeichen für permanenten Schaden! Betroffene sehen andauernd irgendwelche Dinge an der Wurzel anhängen und es gibt tausend Faktoren, die das Aussehen der Wurzel zu verschiedene Zeitpunkten beeinflussen - Größe, Form, Farbe, Zeug, das dranhängt etc.
Fakt: Wenn immer die "Weißen" gerissen werden, bedeutet dies, dass man hier die jüngsten Haare herausreißt. Dies könnte bedeuten, dass es länger dauert, bis sich diese Follikel wieder erholen und arbeiten, da sie normalerweise nicht nachwachsen würden, bis das Haar stirbt und ausfällt - auf natürlichem Weg.
Fakt: Das Ausreißen der gekräuselten Haare macht sie eigentlich nur noch gekräuselter und verlangsamt den Heilungsprozess.
Fakt: Wenn man den Pfirsichflaum herausreißt, so bewirkt man damit praktisch einen Neustart im Wachstum. Man wird zuerst wieder diesen dünnen Flaum wachsen lassen müssen, bevor das normale Haar folgen kann. Also verlangsamt sich auch hier der Heilungsvorgang.
Fakt: Wie oben beschrieben erkennt man schnell, wie unsere Tricho-Muster uns denken lassen, wir kriegen unser normales Haar nie wieder zurück - obwohl genau dies die Tatsache ist!

Zeitrahmen für die Heilung

Unterschiedliche Haargebiete haben verschiedene Chancen von Erholungsgeschwindigkeit.

Wimpern - Volle Heilungschance, manche Leute haben sie innerhalb von 6 Monaten, wenn man jahrelang an dieser Stelle gerissen hat, könnte es allerdings auch 2-4 Jahre dauern.

Augenbrauen - Auch völlige Heilung möglich, kann langsamer geschehen als bei den Wimpern. Diese Gegend ist leichter zu beschädigen und bei manchen Leuten kann es sein, dass es nicht mehr komplett nachwächst.

Kopf - Totale Heilung möglich, 2-6 Jahre für normales Haar! Denkt darüber nach: Das Haar wächst nur ca. 1 cm im Monat und man muss bei jedem ausgerissenen Haar warten, bis der Wachstumszyklus wieder einsetzt. Sollte das Haar gekräuselt oder flaumartig nachwachsen, so muss man eine ganze Weile warten, bis sich die Haare wieder normal entwickeln; nach meiner Erfahrung sind das 6 Monate. Und danach muss man die Haare auf Länge wachsen lassen, um das gekräuselte Haar abschneiden zu können.
Ich denke, dieser Zeitraum, den Fr. Dr. Novak angegeben hat, zieht auch diejenigen in Betracht, die sich im Heilungsprozess befinden und ab und zu noch Rückfälle erleben.

Möglicher permanenter Schaden - über diese Möglichkeit sprach Fr. Dr. Novak als einer Rarität, wenn auch die Möglichkeit an sich natürlich besteht. Selbst mit dieser bestehenden Möglichkeit ist es aber doch wirklich eher unwahrscheinlich, dass jemand es schafft, sämtliche Follikel auf seinem Kopf für immer zu beschädigen! Dr. Novak betonte, dass es für gewöhnlich physische Spuren auf der Haut gibt und eben KEINE an den Haaren oder der Wurzel, wenn man einen permanenten Schaden angerichtet hat: wenn man Krusten und Narben hat, könnte dies beispielsweise auf möglichen bleibenden Schaden hinweisen.

Man müsste aber immer noch erst die Heilung der TTM abwarten, also das Verhaltensmuster endgültig ändern, und aufhören an diesen Stellen herumzumachen, und das monatelang, denn erst dann kann man mit Sicherheit sagen, ob es wirklich permanenter, dass heißt bleibender Schaden ist.
Die Stellen der weiblichen Glatzenbildung im Alter sind die wahrscheinlichsten Stellen für permanenten Schaden, und manche Betroffene, die sich im Heilungsprozess befinden, haben wirklich an diesen Stellen dünneren Haarwuchs und offensichtlich Follikelschäden.
Aber dennoch: Dies ist nicht die Erfahrung der meisten Leute! Man kann es nicht mal genau sagen, wenn man nicht erst Monate abgewartet hat.
Wichtig: Normalerweise, wenn das Haar ausfällt von ganz alleine, dann fällt die Wurzel auch mit aus und das Haar wächst komplett wieder nach. Man kann die Wurzel beim Reissen nicht beschädigen, weil sie sowieso rausgeht. Das ist auch nicht schlimm, weil die Wurzel nichts mit dem Nachwachsen zu tun hat!

 
 
Zurück