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Serotonin und seine Bedeutung
im Gehirnstoffwechsel
Mediziner haben schon lange herausgefunden, dass im Falle einer vorliegenden
Trichotillomanie dem Botenstoff Serotonin eine besondere Bedeutung
zukommt.
Nun wird man sich fragen: Was ist eigentlich dieses Serotonin und
wie wirkt es auf mein Gehirn?
Wie im Kapitel "Medikamentöse Therapie" bereits
erwähnt, sind es SSRI, die erfolgreich gegen Trich angewendet
wurden. Die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI: Selective
Serotonin Reuptake Inhibitors) haben die Wirkung, den Neurotransmitter
Serotonin länger im synaptischen Spalt zu halten. Wer diese
und andere Dinge verstehen will, muss sich ein wenig den Grundaufbau
und die Vorgänge an einer Nervenzelle des Gehirns verdeutlichen.
Serotonin ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Hormonsystems.
Hormone werden auch als Botenstoff oder als Neurotransmitter
bezeichnet, weil sie bestimmte Informationen von Nervenzelle zu
Nervenzelle übermitteln.
Serotonin ist ein biogenes Amin, es entsteht durch Umbau aus der
essentiellen (d.h., von uns Menschen nicht selbst herstellbaren)
Aminosäure Tryptophan, sein anderer Name lautet 5-Hydroxytryptamin.
Serotonin hat in unserem Körper die Funktion eines Mediators
(es vermittelt bestimmte Reaktionen) und speziell im Gehirn die
eines Neurotransmitters (Botenstoffes zwischen Nervenzellen). Serotonin
ist vor allem in bestimmten Hirnabschnitten (Hypothalamus), in
sehr hohen Konzentrationen in den Blutplättchen (Thrombozyten)
und in besonderen Zellen der Darmschleimhaut (enterochromaffine
Zellen) zu finden.
In den Zellen wird Serotonin in gebundener Form in sog. Granula
gespeichert, von wo aus es bei Stimulation der betreffenden Zelle
freigesetzt wird.
Serotonin beeinflusst Appetit und Schlaf, steuert den Sexualtrieb,
die Körpertemperatur und hat Auswirkungen auf die Gemütslage.
Ausreichend Serotonin im Körper macht ruhig und ausgeglichen,
extremer Serotoninmangel dagegen führt zu emotionaler Überempfindlichkeit
oder sogar zu aggressivem Verhalten. Dauerhafte Mangelerscheinungen
können zahlreiche psychische Erkrankungen befördern:
Depressionen, Angst-, Belastungs-, Schlaf- oder Essstörungen.
Auch die schmerzvollen Migräne-Attacken sind auf einen Serotoninmangel
zurückzuführen.
Für Serotonin gibt es mehr als zehn unterschiedliche Rezeptoren.
Abhängig von den verschiedenen Rezeptoren, an die Serotonin
im Körper binden kann, werden unterschiedliche Reaktionen
ausgelöst. Das bedeutet sehr viele, teilweise gegensätzliche
Wirkungen. So verengen sich die Blutgefäße, wenn Serotonin
die eine Kontaktstelle besetzt, durch eine andere weiten sie sich.
Mal steigt der Blutdruck, mal fällt er.
Es kann zu Verengung oder Erweiterung von Gefäßen kommen,
die Schlagkraft des Herzens und den Blutdruck beeinflussen, die
Beweglichkeit des Darmes verändern, bei Asthmatikern die Verengung
der Bronchien zur Folge haben und die Aggregation der Blutplättchen
beeinflussen.
Serotonin ist daher an unterschiedlichen Erkrankungen wie Depressionen,
Angststörungen, Migräne oder Erbrechen beteiligt. Bei
Migräne werden zum Beispiel Arzneistoffe wie Sumatriptan,
Zolmitriptan und Rizatriptan eingesetzt.
Depressionen lassen sich mit so genannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern,
zum Beispiel Fluoxetin und Paroxetin, beeinflussen.
Aber wie soll man sich das Ganze vorstellen? Ich werde im Folgenden
versuchen, in einem kleinen Exkurs die Funktionsweise einer Nervenzelle
im Gehirn zu erläutern. Wir begeben uns also auf neurophysiologisches
Terrain...aufgepasst! ;-)
An der Verarbeitung von Nervensignalen sind elektrische und chemische
Vorgänge beteiligt. Die Weiterleitung der Signale innerhalb
eines Neurons erfolgt auf elektrischem Weg, und chemische Prozesse
sorgen für die Übertragung der Signale von einer Nervenzelle
(Neuron) zur nächsten oder zu den Muskelzellen, wo der Reiz
dann dafür sorgen soll, dass sich der Muskel auf eine bestimmte
Weise bewegt.
Ein Neuron (Nervenzelle)
besteht aus einem mehr oder weniger runden Zellkörper mit einem langen Fortsatz (dem Axon oder Neuriten)
und mehreren kurzen, verzweigten Auswüchsen (den Dendriten).
Die Dendriten nehmen die Reize von anderen Nervenzellen auf.
Die Impulse oder Reize (Aktionspotential genannt) werden entlang
der Zellmembran elektrisch bis zum Ende des Axons weitergeleitet.
An der Spitze des Axons fließt das Signal auf chemischem
Wege zum nächsten Neuron oder zu einer Muskelzelle.
Nun interessiert uns aber wegen des Serotonins nur die chemische
Weiterleitung.
Hier seht Ihr einige Bilder einer Nervenzelle.
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Hier
seht Ihr das Synapsenendknöpchen. Man
sieht deutlich die Vesikel, die gefüllt sind mit Transmitterstoffen,
und die gerade ihren Inhalt in den synpatischen Spalt hinein
ausschütten. |
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Hier
eine schematische Darstellung der Ausschüttung
der Transmitterstoffe |
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Die Transmitterstoffe
docken an den Rezeptoren an und sorgen dafür, dass sich bestimmte Kanäle öffnen, um bestimmte
Reaktionen auf den ankommenden Reiz auszulösen. |
Erläuterung:
Chemische Nervenleitung
Wenn das elektrische Signal die Spitze des Axons erreicht, das sogenannte
synaptische Endknöpfchen, regt es in der Zelle die kleinen präsynaptischen
Vesikel an; diese winzigen Bläschen enthalten Neurotransmitter,
chemische Botenstoffe - also auch z. B. Serotonin -, die in den nicht
einmal im Lichtmikroskop sichtbaren Zwischenraum zwischen den Neuronen
(den synaptischen Spalt) entlassen werden.
An der Oberfläche des benachbarten Neurons heften sich die
Moleküle des Neurotransmitters an besondere Rezeptoren. Das
erzeugt einen Reiz, der zur Depolarisierung (Umpolung) der Nachbarzelle
und damit zur Entstehung eines neuen Aktionspotentials führt.
Der vom Neurotransmitter
vermittelte Reiz ist nur von begrenzter Dauer (er beträgt
einige Millisekunden), weil die Substanzen im synaptischen Spalt
durch Enzyme abgebaut oder von dem Neuron,
das sie abgegeben hat, wieder aufgenommen werden.
Früher glaubte man, jedes Neuron produziere nur einen Neurotransmitter;
wie sich jedoch in jüngster Zeit herausgestellt hat, bilden
manche von ihnen auch mehrere solche Substanzen.
Die Bedeutung des Serotonins
wird nun deutlich: Wenn bei einem Fehler im Gehirnstoffwechsel
diese Neurotransmitter nämlich zu schnell
wieder aus dem synaptischen Spalt heraus wieder abgebaut und in die
präsynaptische Membran aufgenommen werden, so kann das Serotonin
ja nicht lange genug wirken. Und hier setzen die SSRI ein; sie sorgen
dafür, dass das Serotonin lange genug im synaptischen Spalt
bleibt und so Depressionen vorbeugen bzw. heilen kann.
Neurotransmitter können
erregende und hemmende Funktionen haben. So ist die Wirkung von
Acetylcholin, das u. a. im Zentralnervensystem
(ZNS) der Wirbeltiere und in Motoneuronen vorkommt, auf die postsynaptische
Membran vorwiegend erregend.
Serotonin, das nicht nur
im ZNS von Wirbeltieren, sondern auch bei Wirbellosen vorkommt,
kann erregend und hemmend wirken. Dopamin,
ein Neurotransmitter im ZNS der Wirbeltiere, wirkt dagegen hauptsächlich
hemmend.
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