|
Zurück
Gesprächstherapie
Die Gesprächstherapie nach Rogers, die sogenannte „klientenzentrierte
Therapie“, stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Sie vertraut
auf die Fähigkeiten des Patienten und verzichtet dabei bewusst
auf „Experten“, Techniken und „Rezepte“.
Es geht bei dieser Therapie darum, durch menschliche Beziehung von
Person zu Person Hilfe anzubieten und Heilung durch Wertschätzung
und positive Zuwendung zu ermöglichen.
Was ist Gesprächstherapie?
Die Bezeichnung Gesprächspsychotherapie kann zunächst
verwirrend sein, da angenommen werden kann, dass bei fast jeder
Therapie das Gespräch zwischen Hilfesuchendem und Therapeut
eine große Rolle spielt. Dieses von C. Rogers eingeführte
Verfahren trägt daneben noch die weniger bekannten Titel: "Nichtdirektive
Therapie" oder "Klientenzentrierte Therapie". Am
zuletzt genannten Begriff fällt auf, dass hier nicht von Patienten,
sondern von Klienten die Rede ist.
Die Gesprächstherapie ist eine psychotherapeutische Methode
auf der Grundlage eines nichtdirektiven Eingehens auf den Patienten,
der in einer angstfreien und zwanglosen Atmosphäre in der
Lage sein soll, seine Probleme und Konflikte vorwiegend selbst
zu lösen. Der Therapeut stellt keine Fragen und gibt keine
Ratschläge, sondern lässt dem Patienten volle Freiheit,
worüber er sich aussprechen möchte, und reflektiert die
Gefühle des Patienten. Im Verlauf der Therapie findet auf
diese Weise ein Umlernen früher erworbener falscher Einstellungen
in Richtung auf Selbstverwirklichung statt. Die Selbstverwirklichung
bedeutet dann u.a. das Streben nach Verringerung der Distanz zwischen
Selbstbild (das ist die Art und Weise, wie sich ein Individuum
selbst sieht bzw. welche Fähigkeiten, Rollen usw. es sich
selbst zuschreibt) und Idealbild (das ist die Art und Weise, wie
eine Person sein möchte auf Grund der internalisierten Normen
und Werte seiner Bezugsgruppe).
Rogers geht von einem positiven Menschenbild aus. Er glaubt, dass
in jedem Menschen die Kraft und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung
vorhanden ist. Manchmal müssten diese Kräfte jedoch zuerst
gelockert und befreit werden.
Wichtig ist, dass der Klient lernt, sich selbst grundsätzlich
zu bejahen. Er soll auch Erfahrungen, die er bisher nicht bewältigen
konnte und daher "verdrängte" in sein Selbstkonzept
integrieren.
In einer Therapie nach Rogers muss der Therapeut dem Klienten
folgende Werte entgegenbringen:
- emotionale
Wärme und Wertschätzung
- Echtheit
("Ehrlichkeit im Empfinden")
- Empathie
(einfühlendes Verstehen)
Ein wichtiger Punkt in der Therapie ist das verbale Ausdrücken
von Gefühlen. Dadurch soll es dem Klienten ermöglicht
werden, sich selbst, seine Emotionen und seine Bedürfnisse
besser kennenzulernen. Das Ziel der Behandlung ist nicht, mögliche
z.B. frühkindliche Konflikte als Ursache der Probleme des
Klienten zu ermitteln und nachträglich zu lösen. Vielmehr
soll der Klient mit Hilfe des Therapeuten zu einer Klärung
seiner Gefühle, Wünsche und Wertvorstellungen kommen.
Er bestimmt selbst weitgehend, worüber er reden möchte.
Der Therapeut begegnet ihm nicht als übergeordneter Fachmann,
sondern als gleichgestellter Helfer. Er fasst das, was der Klient
ihm gegenüber geäußert hat, in eigenen Worten zusammen,
er äußert jedoch keine Diagnosen oder Ratschläge
und versucht nicht, zu überzeugen.
Eine Gesprächstherapie nach Rogers dauert mit meist 10-50
Stunden nicht lange. Sie setzt beim Therapeuten und Klienten eine
gut ausgeprägte Fähigkeit zum Verbalisieren voraus. In
leicht abgewandelter Form wird sie z.B. als "Spieltherapie" bei
Kindern und als Gruppentherapie durchgeführt.
Ein Therapeut erzählt:
Ich halte Menschen für grundsätzlich kompetent und fähig,
das eigene Leben so zu gestalten, dass die ureigensten Bedürfnisse
befriedigt werden und Selbstentfaltung möglich ist. Ein Konflikt
deutet sich an, wenn eine Diskrepanz (eine Inkongruenz) zwischen
realer und idealer Vorstellung, die eine Person von sich hat, entsteht.
Dieses Missverhältnis führt zu psychischen Störungen
wie z.B. Ängsten, Depressionen, es kann in einer vertrauensvollen
Atmosphäre durch Selbstreflexion in der Gesprächstherapie
ausgeglichen werden. Andere Ursachen für Konfliktbildungen
sind psychische Faktoren wie andauernde unbefriedigte Bedürfnisse
nach Anerkennung und Zuwendung, nach Sinnfindung, (siehe Logotherapie)
nach Selbstbestimmung, nach Erfolgserlebnissen, sowie geringe Bewältigungsfähigkeiten
und ungünstige Bewertungen.
Als meine Aufgabe als Therapeut sehe ich es, konkrete Ziele und
Ratschläge möglichst zu vermeiden, sondern eher Bedingungen
zu schaffen, die es Ihnen ermöglichen, Ihre Bedürfnisse
und Konflikte zu erkennen, zu sich selbst zurückzufinden und
selbst zu beurteilen, wie ein befriedigendes und sinnreiches Leben
für Sie aussehen kann. Dadurch, dass ich Sie nicht direkt
berate, wird vermieden, den Wachstums- und Selbstentfaltungsprozess
zu stören. Ihre angeborene Fähigkeit zu Wachstum und
Selbstverwirklichung wird sich durchsetzen, vorausgesetzt, die
therapeutische Atmosphäre ist vertrauensvoll, aufmerksam und
offen und es sind Ressourcen vorhanden, auf die zurückgegriffen
werden kann, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Durch einfühlendes Verstehen (Empathie), durch bedingungslose
Achtung Ihrer Persönlichkeit und Würde, bei vorbehaltloser,
positiver Wertschätzung möchte ich mit menschlicher Wärme,
zu dieser Atmosphäre beitragen.
Ich versuche, Ihre Gefühle zu erkennen, zu akzeptieren und
verdeutlichen zu können. Indem ich Ihre Gefühle, Ihre
Einstellungen und Verhaltensweisen "spiegle", können
Sie sich Klarheit über sie verschaffen, sich mit ihnen auseinandersetzen
und lernen, sie anzunehmen.
Dieses Erkennen und "Verstanden werden" wird Ihnen nicht
nur eine Neubewertung Ihrer Gefühle, Ansichten und Einstellungen
erleichtern, sondern Sie werden mehr Sie selbst im Finden Ihrer
eigenen Mitte. Dadurch wird es für Sie möglich, Ihre
Persönlichkeit, Ihre Schwächen und Mängel zu akzeptieren
und damit in Ihr Leben zu integrieren.
Mein Bemühen ist also, Sie zu akzeptierend, empathisch, kongruent
und präsent zu sein und damit Ihren inneren Bedeutungsrahmen
zu verstehen. Dies geschieht in der Gesprächspsychotherapie
vor allem durch die verbale Ebene: durch genaues Zuhören,
Nachfragen, Antworten, Sich-Formulieren.
Indem Sie im Wissen Ihrer Stärke und Fähigkeiten die
Verantwortung für sich selbst übernehmen, werden Sie
zufriedener und können sich zu einem reifen, ausgeglichenen
und sinnzentrierten Menschen entwickeln.
C. G. Jung meint:
"
... die großen Probleme des Lebens sind nicht da, dass wir
sie lösen, sondern es kommt darauf an, dass wir unablässig
an ihnen arbeiten."
Hintergrund
Die "Humanistische Psychologie" wird oft - neben den
zwei anderen großen Strömungen "Psychoanalyse" und "Verhaltenstherapie" -
als die dritte große Säule der Psychotherapie bezeichnet.
Die "Klientenzentrierte Psychotherapie" gehört in
diese Richtung der vielen heterogen Strömungen in der auch
die Gestalttherapie, Existenzanalyse und Individualpsychologie
vertreten sind. Gegründet wurde diese auch bei uns verbreitete
Therapieform in den 40-er Jahren durch den amerikanischen Psychologen
Carl Rogers. Im deutschen Sprachraum bekannt ist das Ehepaar Tausch,
von dem auch die Übersetzung "Gesprächstherapie" stammt.
Angemerkt sei, dass "klientenzentriert" grundsätzlich
mit "personenzentriert" gleichzusetzen ist, obwohl sich
z.B. in Österreich zwei Gesellschaften mit unterschiedlicher
Auffassung diesbezüglich innerhalb der Therapieform durch
dieses Namensdetail unterscheiden.
Allgemein scheint heute die Meinung akzeptiert zu sein, dass die
Grundsätze der "client-centered psychotherapy" die
Grundlage für überhaupt jeden Umgang mit Klienten oder
Patienten bilden sollten (Vgl. Dahmer u. Dahmer (1992)). Dementsprechend
häufig bezieht sich Literatur zum Thema Gesprächsführung
auf die Theorien von Rogers. Die Auseinandersetzung mit den grundlegenden
Elementen der Gesprächstherapie scheint somit allen Angehörigen
der helfenden Berufe empfohlen. Die vorliegende Arbeit soll eine
kurze Darstellung dieser Elemente geben.
Ü
berdies erscheint in dieser unserer Welt der Wunsch als Person
angenommen und akzeptiert zu werden als nur allzu verständlich.
Es ist dieses Verlangen in uns allen, das Rogers Theorien heute
so aktuell werden lässt.
Der personenzentrierte Ansatz hatte auch Einfluss auf viele Bereiche
außerhalb der Psychotherapie, wie familiäres Zusammenleben,
Ausbildung, Personenführung, Konfliktforschung, Politik und
Gemeinwesen. Rogers größter Beitrag liegt meiner Meinung
nach in seinem Ruf nach ethischer und humaner Behandlung von Personen
und in seiner Annäherung an die Psychologie als Wissenschaft
von Menschen und nicht als reiner Naturwissenschaft.
Das Menschenbild
Der Mensch wird als Organismus gesehen, der die ihm innewohnenden
Möglichkeiten auf eine konstruktivistische und sozial verbindende
Weise zur Entfaltung bringen möchte. Diese Tendenz wird "Aktualisierungstendenz" genannt.
Alle körperlichen und psychischen Funktionen sind auf zunehmende
Integration und Differenzierung ausgerichtet. Jeder Mensch hat
ein fundamentales Recht auf die Entfaltung dieses Potentials.
Grundlegend für die Entwicklung der Persönlichkeit sind
die erfahrenen positiven Wertschätzungen durch andere (primär
durch die Eltern). Die Annahme einer Aktualisierungstendenz ist
fundamental für Rogers Theorie. Diese Auffassung steht im
Gegensatz zu Freud und den lerntheoretischen Konzepten, die den
Menschen eher durch Mangel motiviert sehen. Ziel sei die Homöostase
- ein Streben nach Spannungsausgleich.
Anders als Freud, sieht Rogers Konflikte nicht als unvermeidbar
und Menschen nicht als grundsätzlich destruktiv. Nur der Zustand
der nicht "fully functioning person" führt zu Störungen
des Bewusstseins, zu Fehlfunktionen und zu destruktivem Verhalten.
Vorläufer dieses Menschenbildes finden sich in der Philosophie
des Altertums. Protagoras erklärte den Menschen zum "Maß aller
Dinge" und Sokrates findet den Menschen "von Natur aus
gut". Unmoralisches Verhalten resultiere aus "Gedankenfehlern" und
einer falschen Folgeeinschätzung.
Vorläufer in der Neuzeit finden sich im französischen
Existentialismus eines Sartre oder Camus, sowie in den Anfängen
bei Kierkegaard. Trotz des eigentlich düsteren Menschenbildes
des Existentialismus - der Mensch erkennt sich als "in die
Welt geworfen" und die aus dieser Erkenntnis entstehende Angst
ist seine Grundbefindlichkeit - zeichnet sich ein positiver Hintergrund
ab: die bewusste Abkehr von einem rationalistischen Menschenbild
und eine intensive Beschäftigung mit den emotionalen Grunderfahrungen.
Der Kommunikation kommt besondere Bedeutung zu. Nach Gehlen (in
Reutterer (1992)) ist der Mensch als "Mängelwesen" wegen
seiner mangelnden Spezialisierung auf soziale Institutionen und
Verhaltensmuster angewiesen. Nur die Kommunikation und Kooperation
mit den anderen seiner Spezies erlaubt die Organmängel zu
kompensieren.
Der Psychiater Jaspers (in Reutterer (1992)) sieht, dass der Mensch
seine eigentliche Existenz nur in Kommunikation mit den anderen
erreichen kann.
Der Existentialismus kann natürlich nur als parallele Strömung
bzw. vielleicht als geistiges Umfeld denn als Ursprung für
Rogers klientenzentrierten Ansatz angesehen werden.
Für Rogers waren nach einen eigenen Angaben seine Besuche
im fernen Osten und die Auseinandersetzung mit den dort ansässigen
Religionen bedeutend für die Entwicklung seines Menschenbildes
und damit für den Hintergrund seiner Theorien. Rogers selbst
bemerkte einige Ähnlichkeiten mit den Grundzügen des
Zen-Buddhismus.
Ebenso wie der Freud-Schüler Rank war Rogers der Meinung,
dass der Klient zu seinem Willen und seiner eigenen Wirklichkeit
finden müsse. Der Klient ist der eigentliche Experte. Er alleine
weiß um seine Bedürfnisse, wenngleich zu Beginn, am
Anfang des therapeutischen Kontinuums stehend nur wage und undeutlich,
später durch Fortschritt im therapeutischen Prozess immer
klarer und mitteilbar.
Der klientenzentrierte Ansatz verdankt seine Entwicklung und Weiterentwicklung
ganz sicherlich der Tatsache, dass sich Rogers vielen Strömungen öffnen
und seine Theorien immer wieder einer, auch empirischen, Überprüfung
unterziehen konnte.
Wem kann die Gesprächstherapie helfen?
Die Gesprächstherapie hilft Menschen zur Konfliktbewältigung
bei vielen seelischen Krisen wie:
- Angststörungen (akute, diffuse,
lavierte und generalisierte Ängste)
- Depressionen
- Zwangsstörungen
- psychosomatische Erkrankungen
- Burn-out Syndromen
- Stresssyndromen
- Schlafstörungen
- vegetative
und funktionale Störungen
(Dystonie)
- Kopfschmerzen / Spannungsschmerzen
Die tragenden Elemente in der Therapie
Kongruenz
Darunter versteht Rogers die Tatsache, dass der Therapeut in der Interaktion
mit dem Klienten "Echtheit" zeigen kann, ohne sich hinter einer Maske
oder Fassade verstecken zu müssen. In der Praxis bedeutet dies, dass der
Therapeut dem Klienten seine Ängste, Regungen offen mitteilt. Rogers
sieht die Kongruenz als die grundlegendste der Haltungen des Therapeuten
an, ganz
sicher ist sie die am schwersten zu realisierende, was auch Untersuchungen
belegen.
Die Gefahr, im Klienten Missempfindungen wie Scham und Enttäuschung
hervorzurufen, und damit den therapeutischen Fortschritt zu gefährden,
ist groß.
Auf der anderen Seite ist die Forderung nach Kongruenz unabdingbar,
da nur so beim Klienten das Erleben einer echten Beziehung, in
der sich der Therapeut als Person einbringt, erreicht werden kann.
Die Echtheit des Therapeuten ist die Reflexion, anhand derer sich
der Klient an seine eigene Echtheit herantasten kann.
Wie auch bei der Empathie ist die Kongruenz ein therapeutisches
Element von dem ganz besonders Psychotiker profitieren, da diese
meist ein sehr feines Gespür für Verstellungen und Unterdrückung
von Gefühlen ihres Gegenüber haben.
Das Konzept der Kongruenz bedeutet allerdings nicht, und darf
in dieser Hinsicht auf gar keinen Fall missverstanden werden, dass
die Rollen getauscht werden könnten und dass nun der Therapeut
den Klienten mit seinen Problemen belastet. Es besagt lediglich,
dass der Therapeut der Versuchung widerstehen soll, seine, vielleicht
auch unangenehmen Gefühle, hinter einer professionellen Maske
zu verstecken. Inwieweit diese Forderung nun in jedem einzelnen
Fall in der Praxis erfüllbar ist, sei dahingestellt (Vgl.
Strotzka (1992)).
Empathie
Unter Empathie versteht man ganz allgemein den Grad des Einfühlungsvermögens,
das, in diesem Fall, der Therapeut dem Klienten entgegenbringt.
Es ist für den Fortschritt des therapeutischen Prozesses von
entscheidender Wichtigkeit, dass der Therapeut in der Welt des
Klienten zuhause und dessen Gefühle und ihre Bedeutung präzise
zu erfassen in der Lage ist.
Der Therapeut gibt die so aufgenommenen Gefühle in Form eigener
Worte an den Klienten zurück, wobei er versucht gerade jene
Bereiche darzustellen und zu erhellen, die sich am Rande des Gewahr
Werdens durch den Klienten befinden. Die Worte des Klienten "Ja,
gerade das habe ich damit sagen wollen" illustrieren wie sich
dem Klienten Stück für Stück seine eigene innere
Welt dem Bewusstsein erschließt. Das Gefühl verstanden
zu werden schafft vermehrtes Vertrauen in sich selbst und in die
Person gegenüber. Die damit verbundene positive Rückmeldung
vermehrt ebenso den Wunsch sich und seine Gefühle mitzuteilen,
und damit die soziale Kompetenz des Klienten.
Es konnte gezeigt werden, dass auf Psychotiker schon allein der
Versuch des Verstehens einen positiven Einfluss ausübt, selbst
wenn dies meist nicht möglich sein wird.
Auf der Seite des Therapeuten birgt der Versuch des Verstehens
und Einfühlens das Problem des Mitleidens und Hineingezogenwerdens
in sich. Der Therapeut darf sich durch die vorübergehende
Aufgabe seiner eigenen Einstellungen nicht selbst gefährden.
Wertschätzung und positive Zuwendung
Wertschätzung und positive Zuwendung sind die Gefühle
der wertfreien, bedingungslosen Akzeptanz und Anerkennung der Person,
die der Therapeut dem Klienten im Idealfall entgegenbringt und
seinem Gegenüber auch ausdrücken kann.
Die Schaffung von Wärme ohne Bewertung und Urteil erzeugt
eine Atmosphäre, die die in jeder Person verborgenen Wachstumspotentiale
zur Entfaltung bringen.
Dieses therapeutische Element ist wohl am stärksten mit dem
hinter diesem Konzept stehenden Menschenbild verbunden. Die Therapie
Rogers beruht hier sehr deutlich auf einem Vertrauensvorschuss.
Die an keine Forderungen gebundene Anerkennung der Person des Klienten
ist vielleicht vergleichbar mit der Liebe, die Eltern ihren Kindern
entgegenbringen. Unabhängig davon, ob sie deren Verhalten
billigen oder nicht vermittelt eine gute Beziehung zwischen Eltern
und Kind dem Kind das Gefühl angenommen zu sein. Ebenso wie
die Entwicklung dieses Gefühls für eine positive ontogenetische
Entwicklung notwendig ist, so ist sie bedeutend für einen
Therapiefortschritt.
Der therapeutische Prozess
Postuliert wird hier
eigentlich eine eindimensionale Skala, auf der sich der Fortschritt
während einer erfolgreichen Therapie
durch eine mehr oder weniger monoton steigende Fortbewegung in
Richtung Endpunkt abzeichnet.
Diese Annahme bietet natürlich eine gewisse Angriffsfläche
und auf eine ausführliche Kritik kann hier nicht eingegangen
werden.
Die erwähnte eindimensionale Skala ist in 7 Punkte aufgeteilt
und sei nachfolgend kurz beschrieben:
- Die
Person ist rigide und nimmt keine Probleme wahr, bzw. zeigt
kein Bedürfnis nach Veränderung.
-
Die Person spricht über Wahrnehmungen und Probleme,
die außerhalb ihres Selbst liegen.
-
Die Person spricht über sich selbst, Rollenkonstrukte
können erkannt werden. An diesem Skalenpunkt ist meistens
der Einstieg in die Therapie gegeben.
-
Die Person beschreibt
ihre Gefühle in der Gegenwart.
- Gefühle werden nun als unmittelbar gegenwärtig
erlebt und geäußert.
-
Das Selbst und
das fortwährende Erleben wird eins.
-
Eher eine "Leitvorstellung" - "the
fully functioning person"
"The fully functioning person" ist
der Zustand, in dem sich eine Person befindet, die in ihrer
Entwicklung
nur wertfreie, positive Zuwendung erfahren hat. Sie befindet
sich in Kongruenz mit ihrem Selbst und ihren Erfahrungen.
Dieser idealisierte Zustand, ist jener einer Person, die offen
ist für die Erfahrung des existentiellen Seins, die Vertrauen
in die eigenen Fähigkeiten besitzt, ihre Gefühle
frei äußern kann und die ein kreatives und reiches
Leben führt. Für Rogers ist dieser Zustand eher ein
Prozess als eine real erreichbare Möglichkeit. Die Hoffnung
liegt in der Zuversicht in die Möglichkeit aller Menschen,
sich diesem Zustand auf einem Kontinuum zu nähern.
Zusammenfassung
Die Gesprächstherapie
- stellt
den Menschen in den Mittelpunkt und vertraut auf seine
Fähigkeiten
- verzichtet
daher bewusst auf »Experten«,
Techniken und »Rezepte«
- ist ein Weg, durch menschliche Beziehung
von Person zu Person Hilfe anzubieten
|
|
|