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Wie sage ich jemandem, dass ich Trich habe?
Zu den größten Schwierigkeiten, denen sich Betroffene
ausgesetzt sehen, zählt der Moment, in dem man einem anderen
Menschen davon erzählen soll. Wie schaffe ich das, ohne dass
derjenige mich für verrückt erklärt, oder sich von
mir abwendet? Im Folgenden findet Ihr eine Auswahl an Möglichkeiten
und Ideen.
Einer der schwierigsten Schritte, wenn man Trich hat, ist sich selbst
einzugestehen, dass man es hat. Wenn man das einmal geschafft hat,
sieht man sich mit dem nächsten schweren Schritt konfrontiert,
nämlich damit, es jemandem erzählen zu müssen.
Da die meisten der Betroffenen sich blamiert fühlen und sich
deshalb fürchterlich schämen, kann der Gedanke daran absolut
erschreckend und fürchterlich sein. Die Gedanken kreisen immer
wieder um die Fragen "Wie wird die Person reagieren, wenn ich
es ihr sage?" "Wird die Person mir überhaupt glauben?" "Wird
sie böse auf mich sein? Oder sogar wütend?" "Wird
die Person mich deswegen verlassen?" "Was, wenn ich eingesperrt
werde???" "Wird die Person denken, ich sei total verrückt?"
Dies sind nur ein paar der Fragen, die jedem von uns sicherlich wenigstens
einmal durch den Kopf gegangen sind, während man sich auf das
Gespräch vorbereitet.
Solltest Du Dich dafür entscheiden, Dein Leid jemandem zu erzählen,
dann wähle bitte sorgfältig aus; jemanden, dem Du vertraust
und bei dem Du Dich wohl fühlst. Viele Betroffene erzählen
es als erstes einem guten Freund oder dem Hausarzt. Wenn Du Dich
Deiner Familie öffnen kannst, könntest Du Dich auch entscheiden,
Deinem Partner, einem Elternteil, dem Bruder oder der Schwester,
einer Tante oder jemand anderem davon zu erzählen.
Sollte sich herausstellen, dass es vielleicht doch Probleme geben
könnte, wenn Du versuchst, es Deinen Eltern zu erzählen,
kannst Du Dich immer noch dafür entscheiden, einen Freund oder
Deinen Therapeuten an Deiner Seite zu haben, wenn Du es ihnen sagst.
Das kennt bestimmt jeder:
Bevor wir es jemandem sagen wollen, stellen wir uns erst einmal zehntausend
und eine Situation vor, was passieren könnte. Wir wollen im
Voraus wissen, was derjenige tun wird und versuchen alles in unsere
Einschätzung der Person miteinzubeziehen. Nun sollte man sich
aber klar machen, dass es absolut unmöglich ist, jemals die
exakte Reaktion einer Person vorauszusagen. Viele Menschen geben
schon vorher auf, es jemandem zu erzählen, weil sie so fest
der Überzeugung sind, dass jeder, dem sie es erzählen,
sich sofort in irgendeiner Art und Weise darüber aufregen wird,
ihn sogar anschreien wird oder, dass sie im schlimmsten Fall eben
verlassen werden. Allein der Gedanke, es jemandem zu sagen, kann
so furchterregend sein, dass unser Kopf uns schon vorher - ob gewollt
oder nicht - alle möglichen Horror-Szenarien durchspielt und
uns einredet, es doch bitte sein zu lassen. Denn das könnte
uns ja nur schaden. Dein Kopf wird Dich überzeugen wollen es
niemals jemandem zu sagen!
Um es noch einmal zu betonen:
Es ist unmöglich, die Reaktion einer Person voraussagen zu können.
Der einzige Weg, genau das herauszufinden, ist, das Risiko wirklich
einzugehen und der Person Euer Problem zu erzählen.
Wenn man es der Person, die man ausgesucht hat, zum ersten Mal erzählt,
gibt es normalerweise immer eine anfängliche Reaktion. Die Person
kann überrascht, geschockt, aufgeregt oder besorgt sein, oder
die Person könnte weinen. Andere haben vielleicht die Anzeichen
dafür schon lange Zeit vorher schon gesehen, und hatten nur
Angst zu fragen. Die Person, der Du das gerade erzählt hast,
weiß vielleicht auch in dem Moment gar nicht, was sie dazu
sagen soll. Vielleicht sagt die Person auch gar nichts, oder aber
sie könnte eine menge Fragen stellen. Wie auch immer die Reaktion
ist, Du solltest bedenken, dass die Person vielleicht ein bisschen überfordert
ist im Moment und ein paar Tage braucht, bis sie die ganzen Informationen,
die du ihr gerade gegeben hast, verarbeitet hat.
Vielleicht willst Du der Person ja auch Informationen über Trich
geben. So kann derjenige in aller Ruhe und alleine die Informationen
durchgehen und sich so über die Krankheit und alles weitere
informieren und lernen, wie man selbst dazu beitragen kann zu helfen.
Nach ein paar Tagen lesen und verstehen lernen, und vor allem nachdenken über
Deine Worte, sind sie meist eher bereit, sich zusammen hinzusetzen
und darüber zu reden. So kann diese Person Teil Deines Unterstützungssystems
werden.
Unglücklicherweise sind nicht alle Menschen, denen wir so etwas
erzählen, verständnisvoll und hilfsbereit oder vor allem
erst einmal bereit, zu akzeptieren, dass wir uns die Haare ausreißen.
Wenn jemand kein Verständnis aufbringen kann, kann es vorkommen,
dass diese Person verletzende und gemeine Dinge sagt. Es kann sehr
schwer sein, dass zu erleben, aber erinnere Dich immer daran, dass
diese Person einfach total ignorant ist und dass sie falsch daran
tun, Dich so und auf so unfaire Weise zu behandeln! Du kannst dieser
Person ja immer noch Infos zum Lesen geben und hoffen, dass sie daraus
lernt.
Eltern haben meist Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass ihr Kind
sich so etwas selbst antut. Sie wollen es vielleicht nicht akzeptieren,
weil sie dann befürchten müssen, mit Schuldtragende zu
sein und dass sie etwas falsch gemacht haben.
Es kann etwas dauern, bis sich die Familienmitglieder an den Gedanken
gewöhnt haben und Trich akzeptieren können, um Dir hilfreich
und unterstützend zur Seite zu stehen. Es gibt natürlich
auch Leute, die Angst bekommen und nicht wissen was sie tun sollen,
vielleicht versuchen sie Dich dann auch zu meiden. Das ist nicht
deine Schuld und Du hast nichts falsch gemacht. Sie tun dies normalerweise,
weil sie nicht genug über Trichotillomanie wissen, und es ist
sehr wahrscheinlich das erste Mal, dass sie davon hören; dementsprechend
wissen sie nicht, wie sie reagieren oder darauf antworten sollen.
Wenn jemand nicht von Tricho betroffen ist, ist es für sie nicht
vorstellbar, durch was für Qualen und Gefühle wir durchmüssen.
Manchmal wollen sie es einfach nicht akzeptieren, wenn sie es nicht
verstehen. Wenn dies der Fall ist, dann sag der Person, dass Du nicht
von ihr erwartest, es zu verstehen, aber dass Du möchtest, dass
sie es akzeptiert, so dass sie Dich unterstützen kann.
Es jemandem zu erzählen, kostet eine Menge Kraft und Du solltest
jedes einzelne Mal, wenn du es tust, unheimlich stolz auf dich sein!!
Die meisten Leute erzählen von einer immensen Erleichterung,
nachdem sie es jemandem erzählt hatten, denn sie müssen
es zumindest vor dieser Person nicht länger geheimhalten und
sich verstecken. Es ist außerdem ein ganz wichtiger Schritt,
weil man damit noch eher lernt, sich selbst zu akzeptieren und nicht
mehr länger das Schamgefühl aushalten zu müssen. Es
ist immer einfacher, wenn jemand eine positive Reaktion zeigt, aber
leider ist das nicht immer der Fall.
Wenn jemand gar nicht akzeptieren kann, dass Du Dir die Haare ausreißt,
weil Du eine Krankheit hast, und vielleicht sogar wütend wird
oder das Thema total ignoriert, erinnere Dich daran, dass es weder
Deine Schuld noch Deine Verantwortung ist. Wenn sie es nicht akzeptieren
können, ist das eine Sache, mit der sie selbst umgehen müssen.
Wir sind nur für uns selbst verantwortlich und können die
Gefühle, Gedanken und Gefühle anderer nicht kontrollieren
oder steuern.
Es gibt nicht den Weg, es jemandem zu sagen. Manchmal ist es auch
das einfachste, sich zusammen hinzusetzen und zu sagen "Ich
reiße mir meine Haare aus und will Hilfe". So sagst Du
klar und deutlich, was Dein Problem ist und musst nicht lange erst
mal erklären.
Falls es Dir zu schwer oder gar unmöglich erscheint, es verbal
auszudrücken, kannst Du der Person jederzeit natürlich
auch einen Brief schreiben. Wenn du zuerst einem Therapeuten davon
erzählen willst, kannst du ihn ja bitten, beim ersten Gespräch
mit Deiner Familie und Freunden dabei zu sein. Auf diese Weise kann
der Therapeut Dich bei Deiner schwierigen Aufgabe begleiten, anfallende
Fragen sofort beantworten, die Krankheit näher erläutern,
ihnen erklären, wie sie Dir helfen können und ähnliche
Dinge. So wirst Du Dich bestimmt sicherer und wohler fühlen.
Während dieses Schrittes finden die meisten Leute schnell heraus,
welche Personen zu ihrem Unterstützersystem gehören sollen
und welche auf gar keinen Fall. Es ist immer eine tolle und großartige
Sache, wenn die eigene Familie unterstützend zur Seite steht,
aber das ist nun mal leider nicht immer der Fall, zumindest nicht
immer sofort. Es kann sehr schmerzhaft sein, dies zu erfahren, aber
Du solltest wissen - und Dich immer wieder daran erinnern - dass
es auch andere Leute gibt außerhalb der Familie, die Dich gerne
und gut unterstützen wollen.
Manche Menschen haben gar keine andere Wahl, als außerhalb
der Familie nach Menschen zu suchen, die ihnen helfen und sie unterstützen
während den schlimmen Zeiten mit Trich.
Es ist wichtig, dass Du immer tust was DIR gut tut. Manche sind der
Meinung, dass sie das auch alleine schaffen, aber ich persönlich
denke, es ist das beste, soviel Unterstützung hinter sich zu
haben wie möglich, natürlich besonders während der
sehr schlimmen Zeiten. Freunde, Ärzte und Therapeuten können
eine große Hilfe sein. Ich weiß, dass es beängstigend
sein kann, jemandem von Trich zu erzählen. Wem Du es erzählst,
bleibt Deine Entscheidung.
Erlaube niemandem jemals, Dich dazu zu zwingen, damit endlich rauszurücken,
vielleicht sogar noch jemandem dem Du noch nicht bereit bist, es
zu erzählen oder nicht willst, dass diese Person es weiß.
Erinnere Dich immer wieder daran, dass es keine Schande ist, Trich
zu haben! Je mehr du darüber sprichst, desto mehr wirst Du einsehen,
dass Du gar keinen Grund hast, Dich deshalb zu schämen.
Du wirst irgendwann einen Punkt erreichen, da ist es Dir schnurzpiepegal,
wer davon weiß. Anstatt Dich zu schämen wirst du voller
Stolz wissen, dass du nicht nur jemandem davon erzählt hast,
sondern auch Hilfe gesucht hast und - vor allem - angefangen hast
zu kämpfen.
Und das ist viel wichtiger, schöner und viel gesünder,
als sich zu schämen.
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