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Nachrichten aus den USA: Genetische Lösung zu Trich und Co. ?
Was hat es mit den Neuigkeiten aus amerikanischen Labors
auf sich, die rausgefunden haben, dass ein Gen bei Mäusen dafür verantwortlich
ist, dass diese sich das Fell zwanghaft lecken und beißen?
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Experiment auch
unter anderem die Trichotillomanie bei Menschen erklären könnte.
Die folgenden Informationen stammen aus Brenda C.'s Bulletin Board
und wurden von einem Mitglied gepostet. Die Information erschien
am 3. Januar in der Baltimore Sun in einem Artikel von Michael
Stroh:
Machen Sie sich viele Gedanken um Ihr Aussehen? Haben Sie einen
Teenager, der sich ständig stundenlang im Spiegel anschauen könnte?
Es müssen nicht nur Eitelkeit oder Hormone im Spiel sein.
Das Pflegeverhalten, so zeigt eine neue Studie, könnte teilweise
in den Genen verankert sein.
Wissenschaftler an der Medizinschule der Universität von
Utah haben ein Gen gefunden, welches, wenn man es ausschaltet,
Mäuse dazu veranlasst, sich zwanghaft zu lecken und solange
an ihrem Fell zu knabbern, bis sie kahl und wund sind.
Der Fund ist "spektakulär, wenn es stimmt" sagt
Ann Graybiel, eine Neuroanatomistin am Massachusetts Institut
für Technologie. Sie studiert die Gewohnheitsbildung im
Gehirn. Nicht nur, dass wir nun mehr biologische Einsichten in
das Pflegeverhalten erlangen - ein Verhalten, welches von allen
Lebewesen vom Wurm zum Menschen, ausgeübt wird - die Entdeckung
eines Genes, das für das Pflegeverhalten verantwortlich
ist, könnte auch zu einer besseren Behandlungsmöglichkeit
von Zwangsstörungen führen.
Beispielsweise können Menschen mit einer Zwangsstörung
- eine Krankheit, von der ca. 3% der US-Bevölkerung betroffen
sind - an übermäßigem Pflegeverhalten leiden; sie
waschen sich die Hände stundenlang, manchmal, bis sie bluten.
Menschen mit einer nahe verwandten Störung, Trichotillomanie,
reißen sich die Augenbrauen, Wimpern und Kopfhaare aus, bis
nichts mehr übrig ist. "Es wurde überlegt, dass
es eine genetische Komponente für diese Störung geben
könnte; aber niemand hat bisher eine Verbindung zu einem bestimmten
Gen herstellen können", so Mario Carpecchi, ein Genetiker
der Universität von Utah, der die neue Studie führte.
Die Entdeckung, die gestern in der Fachzeitschrift "Neuron" veröffentlicht
wurde, überraschte Carpecchi und Co-Autor Joy Greer. Das Duo
hatte eine Familie von Genen namens Hox untersucht, welche bekannt
dafür sind, eine Rolle in der Embryonalentwicklung zu spielen.
Die Gene dieser Familie helfen, den Aufbau von Armen, Herz und
anderen Organen zu steuern.
Als die Forscher einen Wurf Mäuse schufen, denen das Gen
Hoxb8 fehlte, fanden sie, dass sich die Tiere ganz normal entwickelten.
Doch nach 3 Wochen entdeckten sie kahle Stellen und offene Wunden
an den Tieren, als sie sie morgens untersuchten. Indem sie die
Tiere rund um die Uhr mit einer Kamera überwachten, fanden
sie heraus, warum: Die Mutanten-Mäuse nahmen sich doppelt
so lang Zeit, sich zu lecken und zu pflegen, wie gesunde Mäuse.
Sie lecken sich selbst wund. Die Forscher fanden Haarbüschel
in den Zähnen und Mägen der Tiere. Alles andere an den
Tieren sah normal aus - sogar die Art, in der sie sich pflegten. "Sie übertreiben
es einfach." sagt Carpecchi.
Das Pflegeverhalten, das wissen Wissenschaftler, spielt eine Reihe
von wichtigen Rollen. Sie werden damit ihre Parasiten und Bakterien
los und vermindern so das Krankheitsrisiko. Es ist aber auch ein
wichtiger Teil der Werbung um Geschlechtspartner. "Die Pflege
ist ein sehr elementares, wahrscheinlich angeborenes Verhalten.",
so Graybiel. "Es ist etwas, dass wir und alle anderen Tiere
tun." Um sich zu vergewissern, dass das Verhalten der Tiere
keine Folge von Juckreiz oder eines anderen neurologischen Problems
war, setzten sie normale Ratten in den Käfig mit den Mäusen.
Zu der Überraschung der Forscher begannen die Tiere, das Fell
ihrer Käfiggenossen ebenfalls auszureißen.
Es ist noch nicht klar, ob das Gen Hoxb8 eine ähnlich wichtige
Rolle beim Menschen spielt. Auch wenn ja, so ist es sehr wahrscheinlich,
dass das Gen in Wechselwirkung mit anderen Genen und der Umwelt
steht. Carpecchi und seine Kollegen wollen als nächstes untersuchen,
inwieweit das Gen bei Mäusen von Geburt an festgelegt ist
und ob man es später auch wieder umprogrammieren kann; eine
Entdeckung, die das Tor zur erfolgreichen Medikamententherapie öffnen
könnte.
Die Ergebnisse der Studie wurden unter www.neuron.org in der Ausgabe vom 3. Januar 2002 veröffentlicht.
Für Meinungen und Kommentare zu diesem Text steht Euch die
Mailingliste, der Chat und das Forum zur Verfügung.
Originaltext:
Hi Folks,
I just visited Brenda C.'s board and found the following information
posted by a member there. Perhaps there's hope for a cure some
day.
The article reads as follows:
Discovery offers hope in compulsive disorders
By Michael Stroh
Baltimore Sun
January 3, 2002
Fussy about your face? Got a teen who lives to preen?
It might not be just vanity or hormones at work. Grooming behaviour,
a new study shows, might be partly in the genes.
Researchers at the University of Utah School of Medicine have pinpointed
a gene that, when disabled, causes mice to obsessively lick and
nibble their fur until they grow bald and sore-scarred.
The finding "is spectacular if it's true," says Ann Graybiel,
a neuroanatomist at the Massachusetts Institute of Technology who
studies habit formation in the brain.
In addition to providing new biological insight into why we groom,
a behaviour practiced by creatures ranging from worms to man, the
discovery of a grooming gene could also lead to better treatment
of obsessive compulsive diseases.
For example, people with obsessive compulsive disorder, a condition
affecting roughly 3 percent of the U.S. population, often exhibit
excessive grooming, scrubbing their hands for hours on end, sometimes
until they bleed.
People with a closely related disorder, trichotillomania, meanwhile,
pluck out their eyebrows, eyelashes and hair until there's nothing
left.
"
It had been thought there was a genetic component to these conditions,
but nobody has made a connection to a particular gene," says
Mario Capecchi, the University of Utah geneticist who conducted
the new study.
The discovery, published yesterday in the journal Neuron, came
as a surprise to Capecchi and co-author Joy Greer, a graduate student
in his lab. The duo had been studying a family of genes called
Hox that were known to play a key role in embryo development. Specifically,
the genes help direct the construction of a creature's arms, heart
and other organs.
When researchers created a litter of mice that lacked the gene
Hoxb8, they found the animals developed just fine. But after three
weeks, the researchers began to notice bald spots and open sores
when they checked on the animals in the morning
By videotaping the cage around the clock, researchers discovered
why: The mutant mice were primping themselves raw, spending twice
as long licking and biting themselves as healthy mice. The scientists
found tufts of hair in their teeth and stomach.
Everything else about the mice looked normal-even the way in which
they groomed themselves. "They just overdo it," Capecchi
says.
Grooming, scientists know, plays a number of important roles. By
preening, animals rid themselves of parasites and germs, staving
off disease. It's also an important part of courtship - as anyone
who has seen a teen monopolize the bathroom before a hot date can
attest.
"
Grooming is a very elemental, probably innate, behaviour," says
Graybiel. "It's something that we and all other animals do."
To ensure that the mice's obsessive grooming was not the result
of itchiness or some other neurological problem, Capecchi and his
partner placed normal rats in the cage with the mutants. To their
surprise, the genetically altered rats began tearing out their
cagemates' fur, too.
Scientists caution that it remains to be seen whether the Hoxb8
gene plays a similar role in humans. Even if it does, the gene
likely works in concert with others and the environment, says Capecchi.
He and colleagues next plan to study whether the gene is hardwired
from birth in mice or whether it can be reprogrammed later in life,
a finding that might open the door to the possibility of drug therapy."
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