Freitag, den 04. März 2011 um 22:42 Uhr

Eine Nachricht für Väter von Töchtern mit Trichotillomanie

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Interview mit Paul D. Schumacher, M.D., Nachdruck aus InTouch #47 © 1997, © Trichotillomania Learning Center, Inc. 2008. Alle Rechte vorbehalten.

Anm. des Herausgebers: Bei einer vorherigen TLC-Konferenz hatten wir eine Sitzung für Leute, die sich mehr für das Hilfsangebot von TLC engagieren wollten. Dr. Schumacher war bei dem Treffen dabei und hatte das Gefühl, dass man auch den anderen Vätern helfen müsste. Er war sicher, dass es viele andere Väter geben müsse, die mit dieser Problematik kämpften. Also stellten wir ihm einige Fragen zu seinen Erfahrungen mit seiner Tochter, und dazu, was er gerne anderen Vätern nahebringen wollte, die ein Kind mit Trich haben. Hier sind seine Antworten.

Wie haben Sie von der TTM Ihres Kindes erfahren?

Ich erfuhr, dass meine Tochter „C“ Probleme mit ihren Haaren hatte, als sie in der fünften Klasse war, also als sie elf war ungefähr. Meine Frau und ich bemerkten Haarknäuel rund um ihr Bett und auf dem Boden neben dem PC im Familienzimmer. Danach bemerkten wir, dass unsere Tochter kahle Stellen am Kopf hatte. Als wir sie darauf ansprachen, sagte sie, sie habe sich Haare ausgerissen, sie wusste aber nicht, warum. Sie erzählte uns außerdem, dass sie bereits seit der 4. Klasse Haare ausriss.

Wie haben Sie sich gefühlt? Was waren Ihre ersten Gedanken?

Mein erster Gedanke war, dass das nur ein kleines Problem sein kann, das bald vorbei sein wird, oder dass es eine Pille dafür geben müsse, die das Problem lösen kann. Ich konnte mir einfach nicht meine wunderschöne Tochter vorstellen, wie sie über längere Zeit große Löcher in ihren Haaren hatte.

Was war Ihre erste Reaktion?

Ich fing sofort damit an, mich über Trich schlau zu machen und auch darüber, wie man es heilen kann. Ich schaute im Internet nach und fand verschiedene Ärzte im ganzen Land, die bereits Erfahrung damit hatten. Ich rief sie an und stellte eine Menge Fragen. Ich erhielt Hinweise, welche Literatur ich lesen sollte.

Haben Sie Hilfe oder eine Therapie gefunden?

Einer der Vorschläge, die mir meine Ansprechpartner machten, war auch der, TLC zu kontaktieren. Ich rief Christina an und wurde Mitglied. Wir erhielten ein Paket voller Informationen, inklusive einer Liste von Therapeuten in unserer Gegend, die bereits mit TTM Erfahrung hatten. Wir konnten eine Therapie anfangen. Später, als wir an einigen der TLC-Konferenzen teilgenommen hatten, ließen wir uns auch von zwei Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats beraten.

Was ist für Sie am schwierigsten, wenn Sie das Leid Ihres Kindes betrachten?

Das Härteste daran ist, dass ich sehe, wie mein Kind wegen ihres Reißens leidet, aber es ist auch manchmal schwer, die Reaktionen anderer Leute auf dieses Problem mitzubekommen.

Wie hat das Problem Ihres  Kindes Ihr Familienleben beeinflusst?

Die ganze Familie hat sich über Trich schlau gemacht. Wir waren bei verschiedenen TLC Konferenzen. Meine Frau wurde in einem der TLC-Komitees aktiv. Außerdem hatten wir die Gelegenheit, bei Bildungsprojekten zu helfen.

Was sollte man als Vater am besten tun?

Unsere Kinder müssen in dieser Situation auf jeden Fall wissen, dass sie bedingungslos geliebt werden. Ich verbringe einen Großteil meiner Zeit damit, meine Tochter zu umarmen und sie zu halten. Sagen Sie Ihrem Kind oft, dass Sie es lieben. Geben Sie Ihrem Kind Zeit. Sie wollen sich geliebt und akzeptiert fühlen, auch ohne Haare.

Und was sind die Dinge, die nicht so gut sind als Vater?

Ich glaube, was kontraproduktiv ist, wenn man helfen will, ist, dauernd darauf hinzuweisen, dass das Kind reißt, oder wie das Kind aussieht, außer, es handelt sich um ein echtes Kompliment. Machen Sie nicht auf die Haare auf dem Boden aufmerksam. Das Kind will mehr mit dem Reißen aufhören als Sie. Machen Sie niemanden und nichts für das Reißen verantwortlich: so funktioniert das nicht.

Welche Botschaft haben Sie für andere Väter?

Wenn Sie Ihr Kind wirklich lieben, dann ist jetzt die Zeit, ein Mann zu sein, der bedingungslos lieben kann. Ihr Kind braucht Sie mehr als es Haare braucht. Übrigens, Liebe ist etwas, das man tut, nicht etwas, das man fühlt.

Welche Schritte empfehlen Sie Vätern?

  • Lieben Sie Ihr Kind.
  • Informieren Sie sich umfassend.
  • Respektieren Sie Ihr Kind als eigenständige Person.
  • Lieben Sie Ihr Kind.
  • Drängen Sie nicht mit einer Therapie, bis das Kind selbst bereit ist, das Problem anzugehen. Mein Kind ist mit 19 immer noch nicht bereit, aber sie macht mit ihrem Leben weiter und fängt gerade ihr zweites Jahr in der Universität an.
  • Lieben Sie Ihr Kind.
  • Akzeptieren Sie die Tatsache, dass Sie es nicht in Ordnung bringen können. Alle Väter denken, dass sie alles in Ordnung bringen können, aber das geht mit Trich nicht.
  • Lieben Sie Ihr Kind.

Was möchten Sie abschießend sagen?

TTM ist ein neurologisches Problem, das Mädchen öfter als Jungs betrifft und ungefähr in der Pubertät anfängt. Zurzeit gibt es keine „Heilung“ in dem Sinne. Aber es gibt Hilfe. Es gibt Akzeptanz. Es gibt Liebe. All diese Dinge können einem sehr helfen, das Gefühl von Scham zu überwinden, das viele Trichos haben. Als Väter müssen wir akzeptieren lernen, dass wir das Problem nicht lösen können, aber wir können einen großen Einfluss haben, wie dieses Leiden das Leben unseres Kindes beeinflusst. Lieben Sie Ihr Kind.

Paul D. Schumacher, M.D. können Sie per Email unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. erreichen.

Copyright © 2011. Trichotillomania Learning Center. All rights reserved. For information on reproduction of this article, contact TLC: www.trich.org.

Zuletzt geändert am: Samstag, den 20. August 2011 um 18:21 Uhr

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