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Montag, den 07. März 2011 um 23:00 Uhr

Trich bei Kleinkindern und im Vorschulalter

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Dieser Artikel basiert auf einem Transkript einer Präsentation, die Frau Golomb auf der TLC-Nationalkonferenz in 2004 in Houston, Texas  abhielt.

Ruth Golomb, M.Ed., LPC, © Trichotillomania Learning Center, Inc. 2008. Alle Rechte vorbehalten.

Ein Eingreifen ist möglich! Meine Art der Behandlung ist eine Variante der Behandlung, die ich in unserer  Praxis im Verhaltenstherapie-Zentrum in Greater Washington anwende. Sie ist außerdem eine Abwandlung vom Buch, das ich mit Sherrie Vavrichek zusammen geschrieben habe, "The Hair Pulling 'Habit' and You: How to Solve the Trichotillomania Puzzle". Es beschreibt die Behandlung von Kindern zwischen 9 und 17 Jahren. Ich habe diesen Ansatz für jüngere Kinder noch weiter verändert.

Als erstes müssen wir das Verhalten identifizieren, das das Reißen einleitet und begleitet. Mit anderen Worten, wann und wo reißt Ihr Kind sich wahrscheinlich Haare aus? Und, was macht das Kind, während es reißt? Sucht es sich ein Haar, zieht daran, reißt es heraus und betrachtet es, oder reißt es das Haar aus und isst es, reißt das Haar aus und lutscht am Daumen, vielleicht wickelt es das Haar um den Daumen – was genau sind die einzelnen Schritte beim Reißen? Im Allgemeinen verlasse ich mich auf die Eltern für diese Informationen, da kleine Kinder keine besonders akkuraten Reporter sind.

Das zweite Thema, das wir ansprechen müssen, ist die Frage, wann das Verhalten wahrscheinlich auftreten wird. Mit anderen Worten, welche Umgebung und welche Aktivitäten leiten das Haareausreißen ein oder begünstigen es? Typischerweise tritt das Haareausreißen im Schlafzimmer auf, im Auto, oder im Kindergarten. Es sind meistens Tätigkeiten, die im Ruhezustand verrichtet werden, wie einer Geschichte zuhören, im Bett liegen oder im Auto sitzen. Wieder einmal sind es die Eltern, die hierbei wichtige Informationen sammeln müssen.

Der dritte Punkt ist, Strategien zu entwickeln, die wir benutzen können, um einen sensorischen Input zu geben. Das kann man genau dann nutzen, wenn das Kind normalerweise reißen würde. Oft nuckeln Kinder am Daumen beim Reißen oder benutzen einen Schnuller während des Reißens. Es ist nicht immer so aber sehr oft. Die Beschaffenheit der Haare, entweder der eigenen oder die der Eltern zu erkunden, gehört zur kindlichen Entwicklung dazu. Die meisten Kinder werden eine Phase durchmachen, in der sie an ihren Köpfchen reiben oder mit ihren Haaren oder denen ihrer Eltern spielen.

Wir wissen nicht, warum manche Kinder dazu neigen, sich Haare auszureißen und andere nicht. Hier ist die Forschung gefragt, wir wissen derzeit einfach keine Antwort. Interessanterweise bedeutet das bloße Reiben oder Spielen mit dem eigenen Haare noch nichts. Es gehört zur normalen Entwicklung, dass Haare eine faszinierende Wirkung haben, genauso wie interessante Texturen. Dennoch stellen wir fest, dass Kinder, die Haare ausreißen, dies zu einigermaßen vorhersagbaren Zeitpunkten tun. Ich werde das anhand einiger Fälle näher beschreiben. Viele Kinder reißen Haare aus, wenn es Zeit ist, ins Bett zu gehen oder wenn sie müde sind, und versuchen einzuschlafen, und manchmal auch, wenn sie morgens aufwachen. Es scheint, als ob Trich auch auftritt, wenn die Kinder beruhigt werden wollen. Das Haareausreißen scheint ihnen tatsächlich etwas Beruhigung zu verschaffen. Daher betrachten wir es am besten als eine Art sensorische Stimulation oder eine selbststimulierende Verhaltensweise.

Das letzte Gebiet, das wir beachten müssen, ist die Schaffung eines Belohnungssystems. Dies kann helfen, die Motivation zu steigern. Kinder reißen ihre Haare aus, weil es sich für sie gut anfühlt. Um sie dazu zu bringen, keine Haare mehr zu reißen, muss es etwas geben, das gleichzeitig angenehm und motivierend für sie ist. Das Belohnungssystem basiert auf belohnendem ERSATZ-Verhalten, oder, wie vorhin angemerkt, sensorischem Ersatzverhalten, sensorischer Ablenkung, und Dingen, die das Reißen verhindern.

Es ist wirklich wichtig, dass man vermeidet, so etwas zu sagen wie „Hör auf zu reißen!“, da dies bei kleinen Kindern wirkungslos ist. Es ist am hilfreichsten, Strategien zu finden, die eine alternative, sensorische Stimulation bieten. Mit sehr kleinen Kindern müssen wir allerding gut aufpassen, was wir ihnen in dem Alter schon zumuten können. Für ein Kind im Krabbelalter können wir keine Strategien anwenden, bei denen sich das Kind etwas in den Mund schieben kann. Also müssen Sie sehr kreativ werden.

Einige kreative Ideen beinhalten eine Spielzeugrassel, die eine interessante Textur hat, eine Puppe mit Haar, ein Spielzeugpferdchen mit einer Mähne – all das kann als sensorische Strategie eingesetzt werden.  Ein Beißring, auf rohen Spaghetti knabbern und, abhängig vom Alter und der Entwicklungsstufe Ihres Kindes, Kaugummi, Lutscher, Kaubonbons, die als oral-sensorischer Ersatz benutzt werden können. Ein Kind, mit dem ich arbeitete, bekam ein kleines Spielzeugkätzchen, das echt wirkendes Fell hatte und sie liebte es, dieses Kätzchen zu streicheln. Neulich hörte ich, dass man auch eine vibrierende Zahnbürste verwenden könnte, um ganz tolle orale Stimulation zu bewirken. Man kann auch einen Ball zum Ablenken nehmen, den man drücken und quetschen kann. Man kann auch eine Decke wählen, die eine interessante Beschaffenheit hat.

Natürlich müssen Sie vorausdenken und diese Strategien auch tatsächlich strategisch einsetzen. Ein Lutscher zum Beispiel ist im Bett nie eine gute Idee. Benutzen Sie ihn als eine Strategie, um eine orale Stimulation während einer Aktivität einzusetzen, bei der das Kind ansonsten sehr wahrscheinlich Haare ausreißen, Daumenlutschen und/oder Haare essen würde.

Bei sehr kleinen Kindern ist es das Beste, Strategien zu identifizieren, die das Verhalten gar nicht erst ermöglichen, da die Eltern ja nicht ständig anwesend sein können, um festzustellen, wann das Kind in einer Trigger-Situation ist und wahrscheinlich reißt. Ich empfehle oft Handschuhe bei kleinen Kindern. Auch Pflaster mit Motiven aus der Lieblingskinderserie auf dem Daumen verhindern, dass das Kind an den Haaren reißen kann, und die Kinder lieben diese Pflaster! Bei älteren Kindern empfehle ich die Gummifingerspitzen, die von Büroangestellten benutzt werden (z.B. zum Geldzählen oder Akten durchblättern). Etwas ältere Kinder (4-6 Jahre) lieben diese Fingerspitzen, weil sie sich gut anfühlen und irgendwie cool aussehen. Eine Auswahl von verschiedenen Dingen zu finden, die dem Kind helfen, das Verhalten zu vermeiden, ist sehr wichtig.

Der nächste Schritt ist, einen Plan zu entwickeln, der ein Belohnungssystem beinhaltet. Es ist wirklich möglich, mit kleinen Kindern zu arbeiten und sie zu ermutigen, das zu tun, um was Sie sie bitten, aber sie müssen dafür sofort belohnt werden, damit das so klappt. Es kann jedoch sehr schwierig sein, ein gutes Belohnungssystem zu entwickeln. Oft funktionieren Belohnungssysteme nicht, weil sie völlig ineffektiv eingesetzt wurden. Belohnungen scheinen einfach und unkompliziert zu sein, aber dem ist nicht so. Es ist sehr wichtig, dass die Kinder sofort belohnt werden, nachdem sie das erwünschte Verhalten gezeigt haben. Kleine Belohnungen, die sofort gegeben werden, funktionieren am besten, so wie Sticker zum Beispiel.

Andere Eltern, mit denen ich gearbeitet habe, gingen zum Ein-Dollar-Shop oder Party-Shop, und besorgten dort Kleinigkeiten, die man bei Kindergeburtstagen in einer Überraschungstüte bekommen würde. Sie können ein paar von diesen Spielsachen besorgen und in eine Tüte stecken, und dem Kind als eine Art Grabbelsack-Belohnung geben. Bitte vergessen Sie nicht: Die Aufmerksamkeit eines Kleinkindes in Bezug auf die positive Verstärkung durch eine Belohnung kann nicht den ganzen Tag aufrecht erhalten werden.

Wir müssen unbedingt die Zeiten identifizieren, in denen das Kind wahrscheinlich reißen würde, zum Beispiel während es ein Video schaut. Ein Plan für das Kind könnte sein, „Fernseh-Handschuhe“ zu tragen, mit einem Knautschball zu spielen, und möglicherweise eine Babybürste zu benutzen, so dass es seine Hare während des Fernsehens bürsten kann. Wenn es nach 10 Minuten immer noch die Handschuhe trägt und mit den Gegenständen spielt, bekommt es einen Sticker oder die Grabbelsack-Spielsachen. Vielleicht macht es auch Sinn, eine Belohnung am Ende des Fernsehens zu geben. Wie auch immer Sie es machen: Wenn Ihr Kind die Handschuhe nach 15 Minuten auszieht, dann ist eine Belohnung nach 30 Minuten zu spät.

Der andere, unheimlich wichtige Aspekt für den Erfolg ist, dass der Plan so oft wie möglich angepasst werden muss. Kleine Kinder sind sehr schlau, und sie werden regelmäßig Ihre Bemühungen, ein funktionierendes System aufzubauen, durchkreuzen.  Wenn Sie ein kleines Kind haben, das sich die Haare ausreißt, ist es sehr wichtig, dass auch Sie regelmäßig zur Therapie kommen. Ich denke, dass das nur kurzfristig der Fall sein sollte, aber Sie sollten das auf jeden Fall regelmäßig tun. Unglücklicherweise würden Sie zwar in einem einmaligen Gespräch eine Idee davon bekommen, wie das Ganze ablaufen könnte, und vielleicht sogar einen Plan entwerfen. Aber Sie hätten dann nicht mehr die Gelegenheit, diesen Plan mit der Hilfe eines Therapeuten zu ändern, und diese Änderungen sind ebenso notwendig wie schwierig. Im Folgenden werden zwei Beispiele gezeigt, die veranschaulichen, wovon ich eben sprach.

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Zuletzt geändert am: Dienstag, den 29. März 2011 um 10:51 Uhr

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