Dienstag, den 08. März 2011 um 00:10 Uhr

Eine Mutter bekennt Farbe – und landet einen Volltreffer!

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Eine Mutter erzählt von ihren Schwierigkeiten, mit der Trich ihrer Tochter umzugehen und wie sie einen Weg herausfanden.

Stacy Lechtman, Ashburn, VA, Nachdruck aus dem InTouch Newsletter #41, © Trichotillomania Learning Center, Inc. 2008. Alle Rechte vorbehalten. Übersetzung und Verbreitung mit freundlicher Genehmigung von TLC.

Letztes Jahr, als die Trich meiner Tochter außer Kontrolle geriet, war ich diejenige, die völlig fertig war. Ich fühlte mich, als sei ich vollkommen von einer Art Dunkelheit eingehüllt, die mich erstickte. Nachdem meine Tochter eine angenehme, aber völlig wirkungslose Therapie mit einem Gesprächstherapeuten beendete, versuchte ich verzweifelt, sie zu einem Trich-Spezialisten zu kriegen. Wir standen wochenlang auf der Warteliste. Es war die schlimmste Wartezeit meines Lebens. Ich konnte meine Tochter kaum ansehen, wenn sie aus dem Schulbus stieg. Ich hatte zu viel Angst, den Schaden zu sehen, den sie während des Tages angerichtet hatte. Ich konnte meine Emotionen nicht mal richtig identifizieren, ich war völlig davon überwältigt.

Meine Tochter sah meine seelischen Schmerzen und versuchte mich zu trösten. Sie fühlte sich schuldig, weil ich mich so damit quälte. Rückblickend kann ich kaum glauben, dass ich sie je in diese Situation gebracht habe. Sie war doch nur 10 Jahre alt! Rückblickend wird mir auch klar, dass die Trich mich viel schlimmer belastet hat als sie. Keine Wimpern, keine Augenbrauen und ein ganzes Drittel ihrer Kopfhaare weg, und riesige, weiße Stellen auf der Kopfhaut. Dennoch war sie sehr gut in der Schule, glücklich, beliebt, akademisch unheimlich erfolgreich. Natürlich litt sie darunter, dass ich ihr morgens Augenbrauen aufmalen musste. Und sie machte sich Sorgen darüber, dass sie ihre Haare immer auf eine bestimmte Art frisieren musste, damit niemand die immer größer werdende kahle Stelle auf ihrem Kopf sehen konnte. Aber ich glaube, es war mehr ein Problem von mir als von ihr.

Als ich eines Tages im Internet surfte, landete ich auf der Emailgruppe Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. von TLC. Ich war so dankbar, dass ich hier Eltern fand, die das gleiche Schicksal teilten. Ich schüttete ihnen mein Herz aus. Es gab, und gibt es auch heute noch, einige sehr offene und direkte Eltern in der Emailgruppe, und einer von ihnen nahm mich ins Gebet. In einer Email, die mein Leben veränderte, erklärte er mir, dass die Trich meiner Tochter nicht mein Problem war, und weil ich mich so sehr mit runterziehen ließ, machte ich es nur viel schlimmer für mich und meine Tochter. Ich musste ihr das Zepter in die Hand geben. Dies bedeutete aber nicht, dass ich das Problem ignorieren oder sie einfach mit dem Problem alleine lassen würde. Was es bedeutete, war, dass meine Rolle sich verändern musste. Statt die Verantwortung auf mich selbst zu laden, sollte ich zur Unterstützerin werden. Unterstützung heißt, dass man erreichbar ist, um zu ermutigen und zu beruhigen – was getan ist, ist getan – was ausgerissen ist, ist ausgerissen. Unterstützung heißt, dass man weiterhin nach Behandlungsmöglichkeiten sucht. Unterstützung ist auch, Situationen mit Humor zu nehmen, wenn man kann, und Unterstützung ist bedingungslose Liebe. Ich musste meine Dienstmarke und Pistole der Haarpolizei zurückgeben. Ich bin kein Mitglied der Streitkräfte mehr.

Wir schaften es endlich zum Trich-Spezialisten, und meine Tochter ist immer noch in Behandlung. Ihre Trich ist unter besserer Kontrolle, aber sie reißt immer noch. Aber wir sind wieder normal. Wenn ich ihr morgens die Brauen aufmale, tue ich gerne so, als male ich ihr Groucho Marx-Brauen, und wir lachen darüber.

Nachfolgend ist eine Strategieliste, die aus Vorschlägen unseres Trich-Spezialisten und praktischer Erfahrung entstand. Ich hoffe, Sie können etwas finden, das Ihnen hilft.

Alles Gute

Stacy Lechtman, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Vorschläge

Als erstes schlug ich vor, TLC beizutreten (http://www.trich.org). Jedes Mitglied erhält ein riesiges Informationspaket zu Trich, plus einen tollen Newsletter, InTouch, und eine Liste von qualifizierten Therapeuten in der Nähe.

Als zweites möchte ich vorschlagen, dass Sie sich folgendes Buch kaufen: The Hair Pulling "Habit" and You: How to Solve the Trichotillomania Puzzle, Revised Edition by Sherrie Mansfield Vavrichek & Ruth Goldfinger Golomb. Hier findet Ihr den Link zum Buch, dort könnt Ihr es direkt kaufen. Es ist ein tolles Buch, das sowohl Sie als auch Ihre Tochter oder Ihr Sohn lesen können.

Drittens ist es sehr wichtig für Sie, von Anfang an zu wissen, dass Sie oder Ihre familiären Zustände de Trichotillomanie nicht verursacht haben. Millionen von Kindern haben Schwierigkeiten und schwierige Familienverhältnisse voller Stress, und sie reißen sich NICHT die Haare aus. Unsere Kinder sind nur anders gestrickt – und haben unterschiedliche sensorische Bedürfnisse.

Vielleicht möchten Sie, dass Ihre Tochter zu einem Kognitiven/Verhaltenstherapeuten geht. Meiner Erfahrung nach haben wohlmeinende und talentierte Therapeuten OHNE Erfahrung mit Trich es sehr schwer, diese Störung richtig zu behandeln. Kognitive/Verhaltenstherapie bei jemandem, der Erfahrung mit Trich hat, ist etwas Wundervolles, und hat den entscheidenden Unterschied gemacht.

Vielleicht möchten Sie über ein Verstärkungs-System nachdenken. In dem oben genannten Buch ist das sehr schön beschrieben. Wenn Sie Verstärkung nutzen, um ein Verhalten zu ändern, ist es von äußerster Wichtigkeit, die Kinder für das neue Verhalten zu belohnen, und nicht nur dafür, dass sie das alte Verhalten nicht mehr zeigen. Lassen Sie mich erklären:

Wir möchten, dass unsere Kids ihre Trich mit einem anderen Verhalten ersetzen, das ihre sensorischen Bedürfnisse erfüllt ohne dass sie sich dafür verletzen müssen. Der beste Weg, dies zu erreichen, ist, sie zu belohnen , wenn sie ihre Strategien einsetzen (und nicht, sie zu bestrafen, wenn sie reißen – sich überhaupt nicht aufs Reißen konzentrieren – sich nur auf Belohnungen für angemessene Verhaltensänderungen zu konzentrieren,  also Belohnungen für das Tragen der Handschuhe, Pflaster, das Spielen mit kleinen Spielsachen, etc.

Für meine 11 Jahre alte Tochter (Celia) – es ist eine 50/50 Strategie – 50% ihrer Energie verwendet sie dafür, es sich selbst sehr schwer zu machen, zu reißen – und 50% ihrer Energie wird investiert, um ihr Reißverhalten durch ein anderes, gesünderes zu ersetzen. Wir nennen das „Feeding the Need“.

Das Reißen erschweren

Tagsüber

Celia trägt Pflaster auf beiden ihrer Daumen während des Tages, jeden Tag. Sie sind aber nicht narrensicher. Sogar die wasserfesten fallen ab – sie muss sie daher öfter am Tag wechseln. Wenn sie danach gefragt wird, sagt sie einfach, dass sie sie trägt, weil sie sich das Nägelkauen abgewöhnen will. Sie wurde noch nie deswegen gehänselt, und normalerweise fällt es auf niemandem auf und keiner sagt etwas. Nachdem wir gefühlte eine Million Pflaster durchprobiert hatten, hier nun die Kombination, die bei uns gut funktioniert hat. Sie sind nicht billig, und wir müssen zig Millionen ständig griffbereit haben, damit das Wechseln der Pflaster nie ein Thema ist. Sie muss sie so oft auswechseln wie sie locker werden. Oben auf den Daumen legt sie ein Pflaster. Sie kneift es zu über ihrem Nagel. Um das Ganze zu fixieren, befestigt sie ein wasserfestes Pflaster und ein Fingerpflaster am oberen Pflaster und der Daumenhaut. So bleibt es am längsten am Daumen, und man kriegt keinen richtigen Halt mehr mit diesen Pflastern. Sie trägt sie sogar in der Dusche.

Nachts

Sie trägt wollene, dehnbare Handschuhe, die sie mit medizinischem Klebeband befestigt, damit sie nicht aus Versehen abfallen. Man kann mit denen nicht reißen.

“Feeding the need”

In der Schule

Celia ist jetzt die Königin der „Crazy Pencils“ (verrückte Stifte). Sie hat alle möglichen Sorten von Stiftaufsteckern und Stifte, die zum Fummeln gut geeignet sind. Sie hat sie in der Schule immer bei sich und sie beschäftigen ihre Hände und erfüllen ihr Stimulationsbedürfnis. Trichos brauchen einen akzeptablen Weg, um das physische Gefühl zu erzeugen, das das Reißen verursacht.

Hier sind ihre Favoriten: Igelbälle, kleine Tiere zum Verbiegen, Bleistiftaufsatz mit Schnüren, sieht aus wie Spinnenbeine.

 

 

 

Sie machte irgendwann eine orale Phase ihrer Trich durch. Für die Schule gab es eng geknotete Fäden von Zahnseide mit Pfefferminz- oder Zimtgeschmack, die wir über das Ende von Stiften gewickelt hatten, so dass es irgendwie cool und fransig aussah, fast so wie einer dieser Spinnen-Bleistiftaufsätze. Das fühlt sich toll an, wenn man das durch die Lippen zieht und darauf kaut in der Schule – sehr unauffällig!

Wir machten das gleiche mit Angelschnur. Man kann zuerst auch die Leine etwas mit der Schere behandeln, so wie man Geschenkband kräuselt, das macht eine bessere Textur, die Haar ähnelt, fühlt sich also auch toll an zwischen den Lippen und wenn man es kaut. Meine Tochter war sehr wählerisch, was die richtige Textur anging; sie wollte die Stücke der Schnur aussuchen, die sich genau richtig anfühlten, nachdem wir sie gekräuselt hatten.

Außerdem trug Celia jeden Tag eine Menge – jede Menge! – dieser coolen Gummiarmreifen (gibt es bei Claires oder Ein-Euro-Shops, die auch diesen billigen Schmuck verkaufen). Die sind toll zum Fummeln und drauf herumkauen. Es gibt sie in tollen Farben und Texturen, und sie sind modisch! Manchmal bindet sie Angelschnur oder Zahnseide darum, damit sie jederzeit ihre Schnüre bei sich hat.

http://www.orientaltrading.com/

24/1519 SPIKE BRACELETS $9.95. Es macht riesig Spaß, sie zu zerstören anstatt zu reißen, und sie sind modisch!

Zu Hause

Sensorische Diät

Manche Trichos brauchen jede Menge gesteigerten Input – und andere sind sehr sensibel, was diesen Input angeht, wie Menschen, die Probleme haben mit Nähten oder Anhängern. Celia brauchte viel Input! Sie kennen Ihr Kind am besten!

Wir haben angefangen, Celias sensorische Input-Bedürfnisse in hohem Maße zu erfüllen, morgens und nachts. Sie hat einen Riesenappetit auf Input, der nur mehr wird, jetzt, da sie die Pubertät erreicht. Sie benutzt ein Kopfhautmassagegerät 2x am Tag, und trägt ihn manchmal einfach auf dem Kopf, weil es sich gut anfühlt. Ich liebe das Teil! Manchmal tränkt sie auch ein Waschtuch in kaltem Wasser und rubbelt damit ihr Gesicht ab (besonders Augenbrauen und Wimpern), sie sagt es fühlt sich toll an.

Ok, das klingt jetzt seltsam, aber mein Kind liebt es…

Kennen Sie diese Plastikmatten, die man unter Bürostühle legt, die mit ganz vielen kleinen Plastikdornen auf der Unterseite gespickt sind? Meine Tochter hat eine dieser Matten, die sie aber anders herumdreht, so dass die Dornen oben liegen. Sie nutzt die Matte wie ein Nagelbett und legt sich darauf. Es ist nicht gefährlich, weil ihr Gewicht gleichmäßig verteilt wird, es gibt also keine Stiche oder ähnliches. Ich weiß, es klingt ein bisschen wie eine SM-Maßnahme, aber das ist eben, was sie braucht.

Noch eins: mein Kind liebt es, unter schweren Sachen zu liegen wie Sitzsäcken. Es gibt speziell angefertigte „Weighted Blankets“, das sind Decken mit einer Füllung aus Plastikkügelchen, die man je nach Bedarf dosieren kann. Sie werden speziell angefertigt und kosten ca. 200 Dollar: http://www.quietquilt.com/ (Anm. von Steph: in Deutschland habe ich noch keinen Anbieter gefunden.)

Fummel-Bedürfnis:

Körbe voll mit Fummelspielzeug überall im Haus – genau da, wo sie sie ohne Mühe holen kann, sogar auf der Rückseite vom Töpfchen!

Hier sind einige Favoriten:

  • Zahnseide mit Geschmack
  • Gekräuselte Angelschnur mit einer großen Glasperle an einem Ende (damit man es leichter findet)
  • Extra Handschuhe
  • Extra Pflaster

Auf http://www.therapyshoppe.com/

  • #SS7149 Velvet Squidgy Ball - $4.99
  • #SS7147 Inside-Out Ball - $2.49
  • #GG4490 Velvet Sea Leaves - $4.99
  • #GG4430 6 Fidget Bracelets - $1.99
  • #GG4486 Gak Splat Ball - $4.49

Viel Glück mit allem!

Liebe und Heilung,

Stacy

Copyright © 2011. Trichotillomania Learning Center. All rights reserved.

For information on reproduction of this article, contact TLC: www.trich.org

Zuletzt geändert am: Samstag, den 20. August 2011 um 18:21 Uhr

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