Samstag, den 02. Januar 2010 um 17:44 Uhr

Was man auf keinen Fall zu einem Menschen mit Trichotillomanie sagen sollte

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Wie man es nicht machen sollte...Im Folgenden sind ein paar Beispiele von Worten aufgelistet, die man auf keinen Fall sagen sollte. Diese Dinge kennen sicherlich alle von uns, und ich persönlich habe schon viele dumme Kommentare erleiden müssen. An alle Angehörigen oder Freunde: Bitte, bitte, denkt darüber nach was Ihr zu dem Betroffenen sagt. Es könnte viel zerstören und eine Vertrauensbasis unmöglich machen. Es sollte nicht soweit kommen, dass der Betroffene sich überlegt, sich von Euch zurückzuziehen!

  • "Wir haben alle schlechte Angewohnheiten...das ist auch nur eine schlechte Angewohnheit."
  • "Ich kenne niemanden, der sowas macht. Was ist nur mit dir los?"
  • "Es ist nur eine Phase, die du durchmachst."
  • "Machst du das immer noch? Ich dachte eigentlich, du wärst da rausgewachsen."
  • "Hör auf, dich selbst zu bemitleiden und mach, dass du drüber weg kommst."
  • "Wieso kannst du dich nicht einfach zusammenreissen und aufhören?"
  • "Stimmt was nicht mit dir? Warum machst du das denn immer?"
  • "Hast du denn keine Willenkraft?"
  • "Ich hab mir auch abgewöhnt, an den Fingernägeln zu knabbern - das kannst Du auch. So schwer ist das nicht."
  • "Kapierst du eigentlich, was du dir da antust?"
  • "Warum sollte man sich so etwas antun?"
  • "Ist dir dein Äußeres denn egal?"
  • "Du weißt genau, wie mich das aufregt. Warum machst du das noch?"
  • "Tust du das, um mir zu trotzen?"
  • "Wenn du auf den Arzt hören würdest, würde es dir besser gehen."
  • "Du enttäuschst mich. Du hast es doch so gut gemacht bis jetzt."
  • "Du sahst so hübsch aus, als deine Haare nachgewachsen waren. Jetzt sieht es wieder furchtbar aus."
  • "Ich verstehe es nicht. Du hast aufgehört mit dem Haareausreißen und jetzt tust du es schon wieder."
  • "Wieso kannst Du nicht einfach aufhören? Es kann doch nicht so schwer sein, mit dem Haareausreißen aufzuhören!"
  • "Wenn Du aufhörst damit, kaufe ich Dir was / machen wir was Schönes zusammen / hab ich Dich viel mehr lieb."
  • "Wenn Du nicht aufhörst damit, hab ich Dich nicht mehr lieb / schmeiß ich Dich raus / verstoße ich Dich / gehörst Du nicht mehr zu mir / kriegst du nicht das, was du wolltest."

Es dürfte klar sein, dass solche Dinge aus dem Mund eines geliebten Menschen zu nichts anderem führen als einem weiteren katastrophalen Schlag für das Selbstbewußtsein. Es kann sogar sein, und ist auch wahrscheinlich, dass sich der Betroffene zurückzieht und nicht mehr darüber sprechen wird, um nicht noch weiter von irgendwem enttäuscht zu werden. Die Folge dieser Worte sind also Frustrationen, Angst, Enttäuschung, Hass sich selbst gegenüber und noch größere Scham. All das braucht der Betroffene aber überhaupt nicht!!!

Auch, wenn man diese Gedanken vielleicht hat, sollte man sie für sich behalten und sich vielleicht doch noch ein paar Gedanken darum machen, wie man am besten helfen kann. Denn der Betroffene macht sich sicherlich schon selbst genug Gedanken darum, warum er nicht "einfach aufhören" kann, und braucht dann nicht auch noch die Bestätigung einer nahestehenden Person, dass er ein Versager und Volltrottel ist.

Sollte man so etwas schon gesagt haben, wird es wohl sehr schwer für den Betroffenen, das Vertrauen nochmal aufzubauen. Dennoch sollte man alles daran setzen, dem Betroffenen ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit zu geben! In der ganzen Verzweiflung, die man angesichts der Hilflosigkeit dieser Situation vielleicht verspüren mag, kann es und wird es wahrscheinlich auch vorkommen, dass man bestimmte Dinge sagt, die den oben genannten Dingen entsprechen. Doch sollte man sich darauf besinnen, dass es letztendlich dem Betroffenen nur schadet und eigentlich auch keinem anderen auch nur irgendwie hilft. Ein Nichtbetroffener sollte sich nicht anmaßen, zu glauben, er wisse, was derjenige durchmacht. Das erweckt unter Umständen nämlich das Gefühl, nicht ernst genug genommen zu werden und außerdem kann man das nicht wissen.

Hier ist eine kleine Checkliste für Freunde und Familie des Betroffenen, um zu sehen, in wieweit Du dem Betroffenen bereits hilfst bzw. nicht hilfst. Es gibt kein Ergebnis zu diesem Test, es soll lediglich als Selbsttest dienen.

Checkliste für Familie und Freunde

  • Hast Du bereits den Betroffenen gefragt, wie Du mehr über sein Problem erfahren kannst?
  • Hast Du den Wunsch geäußert, Deine Hilfe und emotionale Unterstützung anzubieten?
  • Warst Du vernünftig und realistisch mit Deinen Erwartungen dem Betroffenen und seinem Problem gegenüber?
  • Warst Du vernünftig und realistisch mit Deinen Erwartungen Dir selbst gegenüber?
  • Bist Du der Bitte nach Hilfe von Seiten des Betroffenen gefolgt?
  • War es Dir möglich, Deine Enttäuschung, Deinen Ärger und Deine Kritik zurückzuhalten, auch, wenn der Betroffene es nicht schafft, das Reissen unter Kontrolle zu halten?
  • Konntest Du über das Haareausreißen in einer Art reden, die nicht entwürdigend oder beleidigend ist?
  • War es Dir möglich, nicht in der Öffentlichkeit auf das Haareausreißen aufmerksam zu machen?
  • Hast Du Unterstützung angeboten, als der Betroffene kleine Schritte auf den Erfolg zu gemacht hat?
  • Hast Du Deine Bereitschaft zum Reden ausgedrückt, als der Betroffene aufgeregt über das Reißen schien?
  • Hast Du angeboten, in der Reichweite zu bleiben oder zu versuchen, den Betroffenen abzulenken, wenn er eine schwere Zeit durchmacht?
  • Hast Du klar und deutlich gesagt, dass Deine Liebe und Freundschaft in keinster Weise von dem Erfolg abhängig ist, das Haareausreißen zu kontrollieren?

Das Video, das diesem Artikel hintenangestellt ist, ist ein sehr humorvolles Beispiel für den Umgang der Gesellschaft mit uns, den Betroffenen. Bitte das Video bis zum Schluss ansehen ;)

Zuletzt geändert am: Samstag, den 20. August 2011 um 11:52 Uhr

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