Schätzungsweise ein bis drei Prozent der Bevölkerung sind von der Störung betroffen, in Deutschland also ca. 800 000 bis 2,4 Millionen Menschen, vorwiegend Frauen, aber die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich höher. Vor allem Männer haben meist Angst, zugeben zu müssen, dass sie eine solche Krankheit haben, die sie als unbeherrscht und verrückt dastehen lässt. Die Angst, abgestempelt zu werden, ist nicht unbegründet, denn zu wenige Menschen wissen davon.
Dabei ist Trichotillomanie eine ernstzunehmende Krankheit, obwohl fälschlicherweise oft angenommen wird, es handle sich bei Trich um einen nervösen Tick, eine schlechte Angewohnheit, die man sich nur abgewöhnen müsste. Selten erkennen dabei die Angehörigen der Betroffenen, daß es Gründe dafür gibt, warum sich dieser Mensch seine Haare ausreißen MUSS. Mit Ratio ist es für einen nicht betroffenen Menschen nicht nachzuvollziehen, warum man das Verlangen hat, sich seine schönen Haare auszureißen, wie könnte man das auch. Es steckt eben mehr dahinter als eine Fummelei mit den Haaren.
Die Pubertät ist häufig der Startpunkt der Trichotillomanie. Es gibt auch Berichte von Kleinkindern ab 2 Jahren, die sich schon die Haare ausreißen und genauso Berichte von Erwachsenen, die erst später damit anfangen. Häufiger Grund dafür ist ein traumatisches Erlebnis, der Tod einer geliebten Person etwa oder eine besonders stressige Zeit. Meist werden bestimmte Stellen bevorzugt, es werden Kopfhaare, Wimpern, Augenbrauen, nicht selten allerdings auch Schamhaare gezupft.
Das Wissen um die kahlen Stellen bedeutet einen enormen Stress, denn man wird versuchen, auf jeden Fall die kahlen Stellen zu vertuschen. Das passiert mit Kopfbedeckungen wie Kopftuch, Hut oder Perücke oder mit speziellen Frisuren, wobei natürlich sehr viel Zeit beim Ausprobieren der verschiedenen Frisuren draufgeht. Aufgrund dessen kommt es oft zu sozialer Isolation, da man keine Zeit mehr für Kontakte aufbringen kann. Die Gedanken kreisen nur noch um die Haare. Der dabei entstehende Stress eröffnet den Teufelskreis.
Die Behandlungsmöglichkeiten erstrecken sich über verschiedene Möglichkeiten, davon sind die gängisten die Psychotherapie, die medikamentöse Therapie und die Verhaltenstherapie, wobei sich Verhaltens- und Psychoanalytiker oft über die Wirksamkeiten der Methoden streiten. So setzen Psychoanalytiker in ihrer Therapie auf Gespräche, die sich auf die frühe Kindheit beziehen, während Verhaltenstherapeuten versuchen werden, das Verhalten, also die Symptome zu bekämpfen. Dass sich die Verhaltenstherapie vermeintlich nur mit den Symptomen beschäftigt, stellt den eigentlichen Streitpunkt unter den Therapeuten dar. Auch unter den Verhaltenstherapeuten haben sich inzwischen verschiedene Arten von Verhaltenstherapie herauskristallisiert.
